Honorarverhandlungen: Kassen sollen Überschüsse in Versorgung investieren

Berlin – Die gute Finanzsituation in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) muss dazu genutzt werden, die Versorgung der Patienten zu verbessern und bisher unterfinanzierte Leistungen der Niedergelassenen auszugleichen. Das betonte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute in einem Video auf KV-on. Hintergrund sind die anstehenden Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband, die am 25. Juli beginnen sollen.
Gassen verwies auf die „erfreulich positive Kassenlage“ – sprudelnde Beiträge, hohe Rückstellungen und eine boomende Wirtschaft. Daher sei es an der Zeit, „einen Teil dieser Gelder auch zur Verbesserung der Versorgung der Versicherten zu verwenden“, sagte Gassen. Er kündigte an, in den Verhandlungen die unbefriedigende Situation der hohen Budgetierung zu thematisieren. Eine ganze Reihe von Leistungen würden nicht ausreichend finanziert, erklärte Gassen.
Für die Ankündigung der Kassen, weiter sparen zu wollen, zeigte er kein Verständnis, nimmt diese aber auch nicht allzu ernst. „Das ist natürlich die Diktion der Krankenkassen jedes Jahr, dass man sich eher als Sparkasse geriert. Das ist, wenn ich mir den Hinweis gestatten darf, bei den aktuellen Negativzinsen gar keine gute Strategie“, sagte der KBV-Chef. „Da sollte man lieber in die Zukunft investieren und Versorgung verbessern, und dabei wollen wir gerne helfen.“
Dies sei zum Beispiel bei der Zusammenarbeit von ambulant und stationär notwendig. Die bessere Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Bereich sei „einfach ein Gebot der Stunde“. Dies sei medizinisch, vom Patientenwunsch und auch von der Versorgungssituation begründbar.
Gassen spricht sich dafür aus, die strikte Trennung beider Sektoren sukzessive zu lockern. Dabei werde es noch „eine weitere Fokussierung auf den ambulanten Bereich“ geben, aber es würden „auch intermediäre Strukturen“ entstehen, erläutert er. Im „gemeinsamen Dialog mit Krankenkassen und Krankenhäusern“ könne so die Versorgung der Versicherten weiter verbessert werden.
Der KBV zufolge stehen ab dem 25. Juli und dann weiter im August „intensive Verhandlungen“ mit den Krankenkassen an. Beide Seiten müssen sich über die Honorare der Vertragsärzte und -psychotherapeuten für 2018 verständigen. Ein Beschluss wird Anfang September erwartet.
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