Ambulante Versorgung: Hartmannbund ruft Politik und Kassen zum Handeln auf

Berlin – Politik und Krankenkassen müssten sich ihrer Verantwortung für die ambulanten Versorgungsstrukturen stellen. Dies mahnte heute Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, vor dem Hintergrund der laufenden Honorarverhandlungen und mit Blick auf die für übermorgen angekündigte Protestaktion der Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Berlin an.
„Es geht in diesen Tagen und Wochen nicht nur um eine angemessene Erhöhung von Honoraren für unsere Praxen und mehr Geld für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es geht um die Zukunft der Strukturen, in denen künftig die Patientinnen und Patienten in Deutschland behandelt werden sollen“, betonte Reinhardt.
Allen Beteiligten sei klar, dass unter den gegebenen Bedingungen die in eigener wirtschaftlicher Verantwortung arbeitende Arztpraxis keine Zukunft mehr habe. „Dazu trägt nicht nur die fortgesetzte Weigerung der Kassen bei, für eine auskömmliche Finanzierung der Praxen das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen“, sagte Reinhardt.
Auch die Politik sorge mit „unangemessenen Vorgaben und überbordender Bürokratie für Frust und Demotivation“. Verdamme man die Niederlassung zum Auslaufmodell werde dies drastische Folgen für die Versorgung mit sich bringen.
Reinhardt sicherte in diesem Zusammenhang den MFA bei ihrem Kampf um angemessene Gehälter die volle Unterstützung zu. Sie seien die Stützen der Praxen. Hinsichtlich des akuten Fachkräftemangels sei es immer schwieriger, gut ausgebildete und vor allem motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.
Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützt die Kundgebung der MFA vor dem Brandenburger Tor in Berlin. „Wir stehen hinter der Protestaktion der MFA“, erklären die KBV-Vorstände Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner.
Deutschland drohe der Praxenkollaps. Das liege unter anderem auch daran, dass es für die niedergelassene Ärzte- und Psychotherapeutenschaft zunehmend schwieriger sei, qualifiziertes nichtärztliches Personal in den Praxen zu halten oder dafür zu gewinnen.
„Wir brauchen dringend eine Besserstellung der Praxen“, fordern Gassen, Hofmeister und Steiner. Zusätzlich zu der seit Jahren schleichenden Unterfinanzierung setze der ambulanten Versorgung die hohe Inflation und die Kostensteigerung vor allem beim Personal zu.
„Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, brauchen die Praxen eine tragfähige Finanzierung. Nur so können sie qualifiziertes ärztliches, psychotherapeutisches und nichtärztliches Personal für die vertragsärztliche Versorgung weiter beschäftigen und neu anwerben“, machen die KBV-Vorstände deutlich.
Auch der Virchowbund unterstützt den Protest des Verbandes medizinischer Fachberufe (VMF) gegen die Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung in Deutschland.
„Ärzte und MFA beschäftigen dieselben Probleme, die eine gemeinsame Hauptursache haben: 30 Jahre Budgetierung und unzureichende Finanzierung der Praxen sowie zu viel Bürokratie und eine Digitalisierung, die belastet statt entlastet“, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes. Unter anderem müssten Erhöhungen des MFA-Tarifgehalts von den Krankenkassen umgehend gegenfinanziert werden.
„Wir unterstützen die Proteste. Denn ohne MFA läuft in den Praxen gar nichts. Eine Wertschätzung ihres enormen Engagements in der Patientenversorgung ist überfällig“, betonte auch der stellvertretende KVN-Vorsitzende, Thorsten Schmidt, in Hannover.
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