Ärzteschaft

MFA-Verband kritisiert Gesundheitspolitik scharf

  • Freitag, 1. September 2023
Hannelore König, Präsidentin des vmf, sowie Karola Will und Sylvia Gabel (ebenfalls vmf) /DÄ
Hannelore König, Präsidentin des vmf, sowie Karola Will und Sylvia Gabel (ebenfalls vmf) /DÄ

Berlin – Das ambulante Versorgungssystem steht vor dem „Kollaps“. Davor warnte heute Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe (vmf). Eine aus Sicht des Verbandes ungerechte Be­zahlung, eine kurzsichtige Gesundheitspolitik inklusive versteckter Leistungskürzungen, Budgetierungen sowie die Folgen des Fachkräftemangels bestimmten zunehmend den Arbeitsalltag in den Arztpraxen.

König betonte, man weise seit Jahren auf den „dringenden Handlungsbedarf“ hin. Die Bundesregierung habe aber nach der Hälfte der Legislatur ihre Versprechen aus der Koalitionsvereinbarung zur Stärkung der Ge­sundheitsberufe und zur Fachkräftesicherung noch nicht umgesetzt.

Um die Politik und die Öffentlichkeit nochmals auf die Probleme und die drohenden Folgen für die Gesund­heitsversorgung aufmerksam zu machen, organisiere man am kommenden Freitag auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine weitere Protestaktion – unterstützt auch von zahlreichen Ärzte­kammern und -verbänden.

Schon jetzt verliere man „massiv“ Fachkräfte in den Praxen Richtung Krankenhäuser, Pflege und weiteren Settings, sagte König. Die „Lohnungerechtigkeit“ verstärke sich derzeit immer weiter, dies spiegele sich in aktuellen Befragungen von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in einer nochmals gestiegenen Unzufrie­denheit mit dem Gehalt wieder.

König warnte vor einer weiteren Verschärfung der Fachkräfteproblematik: Noch längere Wartezeiten auf Ter­mine, Aufnahmestopps und negative Folgen für wichtige präventive Untersuchungen seien zu befürchten.

Der vmf fordert von der Politik unter anderem „sichere Honorare für die von den Praxisteams erbrachten not­wendigen Leistungen statt jahrelanger Unterfinanzierung“. Die Budgetierung drohe die ambulante Versorgung „an die Wand“ zu fahren, so König.

Zudem sei eine vollständige Gegenfinanzierung der verhandelten Tariferhöhung erforderlich – entsprechende Positionierungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in den laufenden Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen seien „absolut berechtigt“.

Der vmf spricht sich auch für ein Branchenmindestlohn als Lohnuntergrenze für die Fachkräfte aus. Entlas­tende steuerliche Regelungen für Gesundheits- und Sozialberufe mit niedrigen Bruttoentgelt könnten laut vmf die prekäre Situation dieser Berufe kurz- bis mittelfristig ebenfalls verbessern.

Um die Rahmenbedingungen zusätzlich attraktiver zu machen, brauche es praxistaugliche digitale Anwen­­dungen ohne staatliche Sanktionen, weniger Bürokratie und mehr Zeit für Patienten sowie Maßnahmen ge­gen die zunehmende verbale und körperliche Gewalt im Praxisalltag.

aha

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung