Vermischtes

Babyboom in Großstädten: Kreißsäle an der Kapazitätsgrenze

  • Donnerstag, 23. Februar 2017
Baby, Säugling Uploaded: 18.01.2017 18:37:29 by mis
/dpa

Dresden – Volle Kreißsäle, zu wenig Betten für Mutter und Kind: Der Babyboom stellt die Geburtskliniken mancherorts vor große Herausforderungen. Vor allem in den Groß­städ­ten kommen einige Stationen angesichts steigender Geburtenzahlen an ihre Kapa­zi­täts­grenzen, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhaus­gesell­schaft Sachsen, Friedrich München.

So ist etwa das Dresdner Universitätsklinikum angesichts eines Allzeit-Geburtenhochs stark ausgelastet. 2016 kamen 2.809 Jungen und Mädchen zur Welt, ein Jahr zuvor wa­ren es noch 2.521. „Ein ganz schöner Sprung. Noch nie gab es bei uns höhere Zahlen“, erklärte die Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Pauline Wimber­ger. Dennoch könnten dank des Organisationstalentes der Ärzte und Hebam­men wer­den­de Mütter aber bestens versorgt werden. Geht es nach der Klinik, soll die Betten­ka­pazität auf der Station demnächst aufgestockt werden. Konkrete Pläne liegen noch nicht vor. Eigenen Angaben zufolge verfügt die Geburtshilfe an der Uniklinik über 51 Betten. Bei großer Auslastung könnten im Einzelfall auch weitere Betten der Gynäkologie genutzt werden, hieß es.

Das Dresdner Diakonissenkrankenhaus hat 2016 zwei zusätzliche Hebammenstellen ge­schaffen, um den Geburtenboom zu bewältigen. „Bei Bedarf nutzen wir freistehende Zim­mer auf einer anderen Station und funktionieren diese als Mutter-Kind-Zimmer um, etwa auf der gynäkologischen Station“, erklärte Andreas Werner, Chefarzt der Klinik für Gynä­kologie und Geburtshilfe. In Dresden, das seit Jahren den inoffiziellen Titel Deutschlands Geburtenhauptstadt trägt, kamen 2016 insgesamt 8.542 Kinder zur Welt. Das sind 332 mehr als 2015 und so viele wie seit 1990 nicht.

Noch keine Schwangeren abgewiesen

Chemnitz zählte 2016 rund 3.400 Neugeborene, knapp 200 mehr als im Jahr zuvor. Das macht sich im Klinikum Chemnitz bemerkbar, das sich nach jahrelanger Stagnation über die steigende Zahl von Geburten freut. „Sicherlich ist eine vollständige Belegung der vor­handenen Kreißsäle an manchen Tagen gegeben und damit entsteht eine besondere He­rausforderung an das Personal“, so eine Sprecherin. Durch logistisches Geschick und flexibles Personal hätten aber noch keine Schwangeren abgewiesen werden müssen. In Einzelfällen wurden werdende Mütter zunächst in der Gynäkologie untergebracht und später in die Geburtshilfe verlegt. 2016 wurden am Klinikum 1.482 Kinder geboren – so viele wie seit 20 Jahren nicht.

Auch Leipzig verzeichnete mit 6.873 Neugeborenen eine neue Bestmarke. Die Uni­klinik reagierte darauf mit der Einstellung zusätzlicher Hebammen im Vorjahr, zum Jahresan­fang wurde zudem ein neu gebauter fünfter Kreißsaal in Betrieb genommen. „Wir muss­ten noch keine Schwangere, die zur Geburt in den Kreißsaal kam, abweisen“, hieß es. Gelegentlich müssten allerdings Risikoschwangerschaften aufgrund der hohen Auslas­tung der Neonatologie schon vorher auf andere Kliniken umgeleitet werden.

Den Geburtenboom bekommt auch das St.-Elisabeth-Krankenhaus zu spüren, das bei Müttern aus Leipzig und Umgebung gefragt ist. Im Vorjahr zählte das Haus 2.690 Ge­bur­ten, 400 Entbindungen mehr als 2015 und damit neuer Rekord. „Unsere Kreißsäle sind faktisch immer belegt, ebenso die Betten und Zimmer auf unserer Wochenstation“, er­klär­te eine Sprecherin. Hin und wieder würden die Kapazitäten vollständig ausgereizt. Des­wegen stehe das Haus derzeit in Verhandlungen mit dem Sozialministerium über eine mögliche Erweiterung der Station.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen wünscht sich in solchen Situation mehr Flexibilität beim Freistaat als zuständiger Planungsbehörde sowie den Kassen. „Es gibt aber Schwie­­rigkeiten, zusätzliche Planbetten zu bekommen“, erklärte München. Auch Kran­ken­kassen zeigten sich oft zurückhaltend, weil sie Leistungen später finan­zieren müssen.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Geburtskliniken auf dem Land geschlos­sen, darunter in Radebeul, Stollberg, Reichenbach oder Hartmannsdorf. Die Kranken­haus­gesellschaft schätzt, dass die Häuser rund 1.000 Geburten abgedeckt haben. Das sei ein Problem, wenn in den Städten keine zusätzlichen Betten geschaffen würden, so München.

Gab es 2001 laut Sozialministerium noch 53 Krankenhäuser mit Geburtsstationen in Sachsen, schrumpfte die Zahl auf 42 im vergangenen Jahr. Vor allem Geburtskliniken auf dem Land waren in der Vergangenheit wegen des starken Geburtenrückgangs betroffen. Die bedarfsgerechte Versorgung werde aber in allen Landkreisen und kreisfreien Städ­ten sichergestellt, betonte eine Ministeriumssprecherin.

Zudem verbuchten die Kliniken immer kürzere stationäre Aufenthalte frisch gebackener Mütter. Der Geburtenanstieg ziehe daher nicht zwangsläufig die Erhöhung von Betten­ka­pazitäten nach sich, hieß es. Seien dennoch mehr Betten notwendig, werde im Einzel­fall und in Abstimmung zwischen dem Krankenhausträger und dem Sozialministerium ent­schieden.

dpa

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