Baden-Württemberg: Mehr Stellen für den Gesundheitsdienst, Rettungsschirm für Kliniken

Stuttgart – Baden-Württembergs Ministerrat hat eine massive Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) und einen zusätzlichen Rettungsschirm für die Krankenhäuser im Land beschlossen. Das teilte die Landesregierung heute mit.
Insgesamt will das Land für den ÖGD stufenweise 227,5 neue Stellen schaffen. Die meisten Stellen seien für die örtlichen Gesundheitsämter vorgesehen, hieß es. In einer ersten Umsetzungsstufe sind demnach im Haushalt 2020 bei den Gesundheitsämtern als untere Verwaltungsbehörden 74 Stellen (überwiegend ärztliches Personal) geplant.
Bei den Regierungspräsidien als mittlere Gesundheitsbehörden sollen fünf Stellen, beim Landesgesundheitsamt als fachlicher Leitstelle zwei neue Stellen und beim Ministerium für Soziales und Integration als oberster Landesgesundheitsbehörde 15,5 Stellen geschaffen werden. Beim Landesgesundheitsamt seien bereits im Frühjahr 16 neue Stellen geschaffen worden, so die Landesregierung.
In einer zweiten Umsetzungsstufe sollen im Zusammenhang mit dem zweiten Nachtrag zum Haushalt 2020/21 die Mittel für weitere Stellen im Bereich der kommunalen Gesundheitsämter (sieben Stellen im höheren Dienst der Stadtkreise; je 62 Stellen im mittleren und gehobenen Dienst der Stadt- und Landkreise) bereitgestellt werden.
Die Anforderungen an die gesundheitliche Fachexpertise seien in den vergangenen Jahren stark angestiegen, insbesondere die Fragen der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten nähmen zu, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).
Gerade das SARS-CoV-2-Ausbruchsgeschehen habe gezeigt, wie schnell durch die Globalisierung und den damit verbundenen Flug- und Reiseverkehr lebensbedrohliche Infektionskrankheiten nahezu jeden Erdteil innerhalb weniger Stunden und Tage erreichen und sich ausbreiten könnten.
Kretschmann betonte, bei der Bekämpfung und Eindämmung von Infektionen sei die Qualität und Wirksamkeit der hoheitlichen Maßnahmen entscheidend. Der ÖGD arbeite normalerweise im Stillen, seine breite Aufgabenpalette sei der Allgemeinheit weniger bekannt. „Die letzten Wochen und Monate haben nun gezeigt, welch zentrale Rolle er gerade im Bereich des Bevölkerungsschutzes einnimmt“, so der Ministerpräsident.
Für Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) trägt der ÖGD maßgeblich dazu bei, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und zu erhalten. Um auf zunehmende Herausforderungen schnell und effektiv reagieren zu können, müsse dieser vor allem personell gestärkt werden.
Beschlossen wurde heute auch die Höhe des Rettungsschirms für die Krankenhäuser im Land. Dieser soll laut Landesregierung 210 Millionen Euro betragen. Zwischen 125 und 135 Millionen Euro sollen davon auf Häuser in kommunaler Trägerschaft entfallen.
„Viele Krankenhäuser im Land haben während der ersten Welle der Coronakrise Enormes geleistet“, sagte Kretschmann. Sie hätten Kapazitäten freigehalten, viele Operationen und Eingriffe verschoben, zusätzliche Intensivbehandlungsmöglichkeiten aufgebaut und sich organisatorisch und personell auf die Behandlung schwerkranker COVID-19-Patienten vorbereitet.
„Diese Ressourcen müssen nun zwingend erhalten bleiben, um auf eine mögliche weitere Pandemiewelle optimal vorbereitet zu sein“, so der Ministerpräsident. Das solle der baden-württembergischer Rettungsschirm sicherstellen.
Lucha betonte, die wöchentlichen Ausgleichzahlungen des Bundes für die Krankenhäuser seien eine wichtige Finanzierungshilfe während der Coronakrise. Die ergänzende Bundesverordnung im Juli hätte aber nicht alle Kosten in den Krankenhäusern abdecken können. Gerade Häuser, die sich intensiv auf die Behandlung von COVID-19-Patienten ausgerichtet hatten, seien „teilweise in finanzielle Engpässe gekommen“, so Lucha.
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