Befürchteter Praxenkollaps: Krisensitzung am 18. August in Berlin

Berlin – Die niedergelassenen Ärzte wollen übermorgen auf die schwierige Lage der Praxen aufmerksam machen und die Politik auffordern, bessere Rahmenbedingungen für die ambulante Medizin zu schaffen. Unter dem Motto „#PraxenKollaps – Praxis weg, Gesundheit weg“ haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) eine bundesweite Protestaktion gestartet.
Die Krisensitzung übermorgen, zu der Mitglieder der Vertreterversammlungen von 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), Vertreter von Berufsverbänden sowie Ärzte und Psychotherapeuten aus den Praxen erwartet werden, ist ein vorläufiger Höhepunkt der Kampagne.
Sie wollen die Bundesregierung und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an nicht eingehaltene Versprechen erinnern, die gegeben wurden, um die ambulante Versorgung zu stärken. Dazu gehören Themen wie Entbudgetierung, Digitalisierung und Bürokratieabbau. Zugleich wollen die Niedergelassenen Vorschläge liefern und Ansätze aufzeigen, um die Situation in den Praxen zu verbessern.
„Häufig ist bei dem einen oder anderen Ereignis in der Politik die Rede von einer Zeitenwende. Eine solche droht auch dem ambulanten System – und zwar zum Schlechten. Denn die Praxen in Deutschland stehen vor dem Kollaps“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen.
Der Vorsitzende des Hartmannbundes (HB), Klaus Reinhardt, forderte von Politik und Kassen ein Bekenntnis zu der Frage, mit welchen Akteuren und in welchen Strukturen sie in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland Patienten versorgen wollten.
„Die eklatante Vernachlässigung ambulanter Akteure und Strukturen ist entweder Ausdruck der Überzeugung, ‚denen in den Praxen geht es doch eigentlich gut genug und die machen schon so weiter‘ oder sie entspringt dem nüchternen politischen Credo, man könne auf einen Großteil der an dieser Stelle aktuell noch vorhandenen Ressourcen mittelfristig verzichten“, sagte Reinhardt, der auch Präsident der Bundesärztekammer ist. „Politik und Kassen müssen die Karten endlich auf den Tisch legen“, mahnte er.
Der Brandenburger Hausärztinnen- und Hausärzteverband bekräftigte im Vorfeld des Treffens die Forderung nach deutlich mehr Geld für die ambulante Medizin. „Hausärztliche Praxen müssen finanziell in die Lage gebracht werden, die steigenden Betriebskosten, die Herausforderungen der Digitalisierung und die Umsetzung des Tarifvertrages für die angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherstellen zu können“, sagte Katharina Weinert vom Vorstand des Verbandes.
Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) erklärt sich ausdrücklich solidarisch. „Es brennt“, sagte der bvvp-Bundesvorsitzende Benedikt Waldherr. Eine gute ambulante Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen könne nur gemeinsam gestaltet werden. „Das Hinwegregieren über diejenigen, die am Ende alles umsetzen sollen, muss ein Ende haben!“
Die in den bundesweiten Honorarverhandlungen geforderte Steigerung der Zahlungen der Krankenkassen von 10,2 Prozent sei „dringend erforderlich, um die Niederlassung für die aktuelle und kommende Ärztegeneration wieder attraktiver zu machen, bestehende Hausarztpraxen im System zu halten und den Praxen finanzielle Sicherheit verlässlich gewährleisten zu können“, beurteilte der Vorstand des Hausärzteverbandes die aktuelle Situation.
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