Bund setzt auf Eindämmung nach Fällen in Schlachtbetrieb

Berlin – Die Bundesregierung dringt auf die Eindämmung des regionalen Infektionsgeschehens nach inzwischen mehr als 700 registrierten Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Es komme jetzt darauf an, möglichst schnell die Infektionsketten zu unterbrechen, sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit heute in Berlin.
Daher sei es richtig, dass im Landkreis Gütersloh in großem Maßstab Reihentests angeordnet worden seien. Eine neue Verordnung ermöglicht mehr Tests auch ohne Symptome auf Kassenkosten. Das Robert-Koch-Institut habe Kontakt mit dem Gesundheitsamt vor Ort.
Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sprach von einem „sehr schweren Ausbruchsgeschehen“, das nun unter Kontrolle zu bringen sei. Dieser erneute Fall zeige, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. Die Einhaltung von Abstand und Hygieneregeln sei wichtig, gerade auch bei Unternehmen, in denen Menschen auf engem Raum zusammenarbeiteten und untergebracht seien.
Das Bundessozialministerium bekräftigte, an geplanten Verschärfungen beim Arbeitsschutz und einem weitgehenden Verbot von Werkverträgen in der Fleischbranche ab 2021 werde mit Hochdruck gearbeitet. Das Gesetz solle so schnell wie möglich kommen. Eine Sprecherin sagte, sie gehe davon aus, dass es im Sommer der Fall sei. Einen genauen Zeitplan nannte sie nicht. Das Kabinett hatte Ende Mai zunächst Eckpunkte beschlossen, daraus soll nun ein Gesetzentwurf erarbeitet werden.
Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will die Branche nun wissenschaftlich untersuchen lassen. Man müsse untersuchen, wie die Ausbrüche in der Fleischindustrie entstünden, erklärte Laumann heute. Auf der Basis der Ergebnisse müssten dann „gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden“, kündigte er an. Zuvor hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.
Die Fleischfabrik ist derzeit geschlossen. Ausgewertet wurden nach Informationen von gestern Abend bisher 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests. Im Tönnies-Stammwerk müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden.
Laumann tritt wegen der oft beengten Lebensverhältnisse der Beschäftigten für Rechtsänderungen ein. „Wir müssen auch eine Generalunternehmerhaftung haben für die Lebensverhältnisse dieser Menschen, wenn sie zum Beispiel in Sammelunterkünften leben“, hatte Laumann gestern bei WDR2 gefordert.
Die Schlachtindustrie habe sich eine Systematik über die Werkverträge angewöhnt, bei der man einfach sagen müsse, „dass sich die Besitzer von Schlachthöfen nicht mehr verantwortlich fühlen für große Teile der Belegschaft“, verdeutlichte Laumann.
Der CDU-Politiker kritisierte, dass nach den zurückliegenden Ausbrüchen in Coesfeld und anderen Betrieben der Fleischindustrie zwar in Berlin Änderungen im Arbeitsrecht in den Fokus genommen worden seien, aber bislang Ergebnisse wohl nicht vor der parlamentarischen Sommerpause zu erwarten seien.
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