Digitalisierung der Arbeit verlangt mehr Stressprävention

Berlin – Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt braucht die Gesundheitsförderung in Unternehmen heute mehr als rückengerechte Bürostühle und gesundes Kantinenessen. Neue digitale Prozesse bedeuteten zwar Arbeitserleichterungen und eine geringere körperliche Belastung, erklärte der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, heute. Sie stellten aber zugleich höhere Ansprüche an Flexibilität und Informationsverarbeitung. Die TK stellte in Berlin eine Studie zur gesunden Arbeitswelt 4.0 vor.
Nicht nur die Menge an Informationen und die Komplexität der Arbeit nähmen zu, sondern auch die ständige Erreichbarkeit, Mobilität und Arbeitsunterbrechungen. Beschäftigte benötigten künftig „eine noch höhere Stresstoleranz“. Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse sich daher noch mehr der Stressprävention widmen, heißt es in der vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), der Haufe-Gruppe und der TK erstellten Studie.
In jedem elften Unternehmen gibt es demnach gar keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Knapp drei von zehn Betrieben haben immerhin einzelne Angebote, vor allem im Bereich Ergonomie, Bewegung und Entspannung. Nur etwas über ein Drittel (37 Prozent) der befragten Unternehmen verfügt über ein betriebliches Gesundheitsmanagement oder es befindet sich im Aufbau. Befragt wurden im Februar und März dieses Jahres mehr als 800 Personalverantwortliche, Führungskräfte und Verantwortliche für betriebliches Gesundheitsmanagement.
Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt stehe immer mehr Wissen zur Verfügung, „die Beschäftigten müssen diese Informationen aber auch verarbeiten“, erklärte Baas. Viele Menschen arbeiteten zudem zeit- und ortsunabhängig. „Mit einem Rückentag oder einem Raucherentwöhnungskurs ist es deshalb nicht getan“, betonte der TK-Chef.
Statt Einzelmaßnahmen anzubieten, müssten Strukturen und Prozesse nachhaltig gesund gestaltet werden. Baas sieht vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen noch „Luft nach oben“. Dem TK-Chef zufolge werden der demografische Wandel und die Rente mit 67 die Lebensarbeitszeit verlängern. „Und da wir uns nicht über die Ziellinie quälen wollen, müssen wir dafür sorgen, unsere Arbeitswelt gesund zu gestalten.“
Prämien, wie sie einige Unternehmen ihren Beschäftigten zahlen, wenn sie wenige oder keine Krankschreibungstage melden, lehnt die TK ab. Solche finanziellen Anreize wirkten, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Die beste Grundlage für ein gesundes Arbeitsumfeld sei es ohnehin, das Engagement der Beschäftigten zu erhalten und innere Kündigung zu verhindern, erklärte Baas.
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