Politik

Digitalisierung der Arbeit verlangt mehr Stressprävention

  • Mittwoch, 10. Mai 2017
/everythingpossible, stock.adobe.com
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Berlin – Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt braucht die Ge­sundheitsförderung in Unternehmen heute mehr als rückengerechte Bürostühle und ge­sundes Kantinenessen. Neue digitale Prozesse bedeuteten zwar Arbeitserleichterun­gen und eine geringere körperliche Belastung, erklärte der Vorstandschef der Techniker Kran­­kenkasse (TK), Jens Baas, heute. Sie stellten aber zugleich höhere Ansprüche an Flexibilität und Informationsverarbeitung. Die TK stellte in Berlin eine Studie zur gesun­den Arbeitswelt 4.0 vor.

Nicht nur die Menge an Informationen und die Komplexität der Arbeit nähmen zu, son­dern auch die ständige Erreichbarkeit, Mobilität und Arbeitsunterbrechungen. Beschäf­tig­te benötigten künftig „eine noch höhere Stresstoleranz“. Betriebliches Gesundheits­ma­nagement müsse sich daher noch mehr der Stressprävention widmen, heißt es in der vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), der Haufe-Gruppe und der TK erstellten Studie.

In jedem elften Unternehmen gibt es demnach gar keine Maßnahmen zur Gesundheits­förderung. Knapp drei von zehn Betrieben haben immerhin einzelne Angebote, vor allem im Bereich Ergonomie, Bewegung und Entspannung. Nur etwas über ein Drittel (37 Pro­zent) der befragten Unternehmen verfügt über ein betriebliches Gesundheits­manage­ment oder es befindet sich im Aufbau. Befragt wurden im Februar und März dieses Jah­res mehr als 800 Personalverantwort­liche, Führungskräfte und Verant­wort­liche für be­trieb­liches Gesundheitsmanagement.

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt stehe immer mehr Wissen zur Verfügung, „die Beschäftigten müssen diese Informationen aber auch verarbeiten“, erklärte Baas. Viele Menschen arbeiteten zudem zeit- und ortsunabhängig. „Mit einem Rückentag oder einem Raucherentwöhnungskurs ist es deshalb nicht getan“, betonte der TK-Chef.

Statt Einzel­maßnahmen anzubieten, müssten Strukturen und Prozesse nachhaltig gesund gestaltet werden. Baas sieht vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen noch „Luft nach oben“. Dem TK-Chef zufolge werden der demografische Wandel und die Rente mit 67 die Lebensar­beitszeit verlängern. „Und da wir uns nicht über die Ziellinie quälen wollen, müs­s­en wir dafür sorgen, unsere Arbeitswelt gesund zu gestalten.“

Prämien, wie sie einige Unternehmen ihren Beschäftigten zahlen, wenn sie wenige oder keine Krankschreibungstage melden, lehnt die TK ab. Solche finanziellen Anreize wirk­ten, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Die beste Grundlage für ein gesundes Arbeits­um­feld sei es ohnehin, das Engagement der Beschäftigten zu erhalten und innere Kündi­gung zu verhindern, erklärte Baas.

afp

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