Ein Jahr nach der Pflegereform bestehen noch Wissensdefizite über Angebote
Berlin – Ein Jahr nach der Pflegereform kommen die neuen Angebote immer noch nicht bei allen pflegenden Angehörigen an. 44 Prozent fühlen sich nicht wirklich gut über ihre Ansprüche als Pflegende informiert, wie eine heute in Berlin veröffentlichte Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) zeigt. Rund ein Drittel (33 Prozent) beklagt zudem ein Informationsdefizit über die Ansprüche der von ihnen versorgten Pflegebedürftigen aus der Pflegeversicherung.
So wird zum Beispiel in 70 Prozent der Fälle der neue monatliche Entlastungsbeitrag von 125 Euro in der häuslichen Pflege offenbar nicht genutzt. Er steht allen Pflegebedürftigen zu, die einen Pflegegrad haben und zu Hause versorgt werden.
Mit Einführung der Pflegestärkungsgesetze wurden Anfang vergangenen Jahres erhebliche Leistungsausweitungen in der Pflege beschlossen, auch um die deutschlandweit etwa 4,7 Millionen pflegenden Angehörigen zu entlasten. Das ZQP befragte nun rund 900 pflegende Angehörige oder Bekannte, wie sie die Neuerungen wahrnehmen.
Immerhin ein Viertel der Befragten, die bereits vor 2017 pflegerisch aktiv waren, gibt an, seit der Pflegereform mehr Angebote wie Alltagsbegleitungen nutzen zu können. Rund jeder Fünfte (21 Prozent) sagt, er könnte sich nun mehr Auszeiten von der Pflege nehmen.
Eine Pflegeberatung nahmen allerdings deutlich weniger als die Hälfte (42 Prozent) der Befragten in Anspruch. Einen kostenlosen Pflegekurs besuchten sogar nur acht Prozent der Pflegenden.
„Das ist mit Sicherheit viel zu wenig, gerade angesichts der besonderen gesundheitlichen Belastungen, denen pflegende Angehörige oft ausgesetzt sind“, erklärte Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Nur wer über seinen Leistungsanspruch informiert sei, könne zudem die Pflege bestmöglich organisieren.
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