Elektronische Patientenakte: Neue Funktionen werden schrittweise ausgerollt

Berlin – Die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) geht voran. Ab heute sollen die ePA-Apps der Krankenkassen schrittweise ein Update mit neuen Funktionen erhalten. Darüber informierte heute die Gematik.
Neu hinzu kommen demnach Push-Benachrichtigungen, mit denen über Aktivitäten innerhalb der ePA informiert werden soll. Wer diese Benachrichtigungen aktiviert, kann damit künftig beispielsweise über das Einstellen von Befunden direkt Bescheid erhalten, ohne die App dafür öffnen zu müssen.
Dabei können die Patientinnen und Patienten selbst einstellen, worüber sie informiert werden möchten. Also etwa, wenn nach dem Krankenhausaufenthalt der Entlassbrief hochgeladen wird oder wenn die neue Facharztpraxis auf die eigene Akte zugreift. „Das schafft noch mehr Transparenz, Überblick und Souveränität über die eigenen Gesundheitsdaten in der Patientenakte“, erklärte die Gematik.
Ab Mitte Juli soll zudem eine weitere Neuerung schrittweise ausgerollt werden. So soll es innerhalb der ePA auch den elektronischen Medikationsplan (eMP) als Teil des digital gestützten Medikationsprozesses (dgMP) geben.
Dieser Schritt wird zunächst in einer Pilotphase in ersten Einrichtungen in den drei Modellregionen in Franken, Hamburg und in Teilen von Nordrhein-Westfalen getestet. Erste Hersteller werden darüber hinaus zu Beginn an der Pilotierung teilnehmen, weitere werden im Pilotierungsverlauf erwartet, erklärte die Gematik.
Mehr Möglichkeiten für Leistungserbringer
Im Mittelpunkt der Tests steht der eMP, der perspektivisch den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) ablösen soll. Neben der Verfügbarkeit des eMP gehen mit der jetzigen Ausbaustufe der ePA auch weitere Funktionen einher, zum Beispiel die Möglichkeit für Einrichtungen, Nachträge für OTC-Medikamente und Betäubungsmittel in der elektronischen Medikationsliste (eML) vorzunehmen.
Die Gematik verspricht sich eine wichtige Rolle des eMP im Medikationsmanagement. Seit dem Start gibt es bereits die eML, in der bislang automatisch alle verschriebenen und eingelösten E-Rezepte aufgelistet werden. Diese Übersicht sei hilfreich, erklärten einige Ärztinnen und Ärzte in den ersten Monaten der ePA. Allerdings konnten sie bislang keine Änderungen darin vornehmen, etwa Angaben zur Dosierung oder OTC-Medikamente ergänzen.
Dies soll sich nun mit der neuen Ausbaustufe der ePA und dem eMP ändern. Der elektronische Medikationsplan biete eine „Darstellung der aktuellen und institutionsübergreifenden Gesamtmedikation eines Versicherten mit weiterführenden Hinweisen, die die versicherte Person darin unterstützen, die Therapie sicher und erfolgreich umzusetzen“, so die Gematik.
Weitere Ausbaustufen der ePA sollen darüber hinaus in diesem Jahr folgen, dazu gehören die Volltextsuche und die Datenausleitung zu Forschungszwecken an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit. Ab Anfang 2027 sollen dem Zeitplan der Gematik zufolge alle Neuerungen bundesweit ausgerollt sein.
Einige Versicherte verlieren Zugriff
Zum 1. Juli könnten allerdings einige Menschen den mobilen Zugriff auf ihre ePA verlieren, warnte gestern der Bundesverband Verbraucherzentrale. Wer kein aktuelles Betriebssystem (mindestens Android 14 oder iOS 18) nutze, könne die ePA-App seiner Krankenkasse nicht mehr verwenden, heißt es.
Jeder Fünfte könnte betroffen sein, erklärte der Verband mit Bezug auf Schätzungen der Gematik. Hintergrund sei, dass ältere Betriebssysteme nicht mehr fortlaufend mit Sicherheitsupdates versorgt werden.
„Die Krankenkassen sollten Betroffene transparent informieren und beim Wechsel auf alternative Zugänge wie Desktop-Anwendungen oder bei Vertretungslösungen zuverlässig unterstützen“, forderte Lucas Auer, Gesundheitsexperte im Verbraucherzentrale Bundesverband. Hier gebe es noch Nachholbedarf.
Der Gesetzgeber müsse zudem „zügig Wege schaffen, damit Versicherte auch unabhängig von privaten Endgeräten auf ihre ePA zugreifen können“, betonte Auer. Mögliche Lösungen seien assistierte Angebote in Apotheken oder spezielle Gesundheitsterminals. „Die Kontrolle über die eigenen Gesundheitsdaten darf nicht von der technischen Ausstattung oder dem Geldbeutel abhängen.“
Es brauche zudem verbindliche, ausreichend lange Support-Zeiträume für Geräte auf europäischer Ebene, um Kosten für Verbraucher und unnötigen Elektroschrott zu vermeiden, erklärte Auer.
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