Ärzteschaft

G20-Gipfel muss sich um Antibiotika­resistenzen kümmern

  • Mittwoch, 5. Juli 2017
/Countrypixel, stock.adobe.com
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Hamburg – Vor dem G20-Gipfel im Hamburg haben Ärzte und Umweltorganisationen die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer dazu aufgerufen, sich stärker um das Problem von Antibiotikaresitenzen zu kümmern. Auf der Forderungsliste steht auch ein besserer Schutz von Krankenhäusern.

Das Hilfswerk Ärzte ohne Grenzen will, dass sich die G20 auf konkrete Schritte zum Schutz medizinischer Einrichtungen verständigen. Zudem müssten die Staats- und Regierungschefs die Forschung zu Antibiotika-resistenten Infektionen einschließlich Tuberkulose ausweiten und für eine bessere Reaktionsfähigkeit auf Gesundheitskrisen wie Ebola sorgen. Es sei zudem „höchste Zeit, dass die einflussreichsten Regierungen mit konkreten Mitteln dafür sorgen, dass alle Menschen weltweit Zugang zu medizinischer Versorgung haben“, sagte der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, Florian Westphal.

Reserveantibiotika aus Tierfabriken verbannen

Ärzte und Umweltorganisationen sehen die Bundesregierung zudem in der Verantwortung, sich beim G20-Gipfel in Hamburg dafür stark zu machen, Reserveantibiotika aus Tierfabriken zu verbannen. Die bisherigen G20-Beschlüsse reichten nicht aus, um diese Antibiotikawirkstoffe für die menschliche Gesundheit zu sichern und ihre Wirksamkeit zu erhalten, hieß es.

„Auf der WHO-Liste stehen unter anderem die auch in der Tierhaltung tonnenweise eingesetzten Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Chinolone und Colistin. Für die Tierhalter ist es am besten, wenn alle G20-Regierungen gleichzeitig das Ende der Reserveantibiotika im Stall bis 2020 beschließen", sagte Peter Sauer, Sprecher der Ärzte gegen Massentierhaltung.

Ein Großteil der Antibiotika im Tierstall komme nur zur Anwendung, weil die Zucht auf Höchstleistungen die Tiere krankheitsanfällig mache und damit schlechte Haltungsbedingungen kompensiert würden oder aus Gründen der Arbeitskraftersparnis in großen Tierhaltungen. „Leidtragende dieser Entwicklung sind die Tiere und der Mensch“, so Sauer.

„Den Antibiotikaeinsatz in der industriellen Tiermast zu reduzieren und auf Reserveantibiotika ganz zu verzichten wird nur gelingen, wenn Politik und Lebensmittelbranche endlich einsehen, dass die extremen Mengen an billigem Fleisch bei derzeitigen Zuchtzielen und Haltungsbedingungen ohne Medikamenteneinsatz nicht erzeugt werden können“ mahnte Claudia Preuß-Ueberschär vom Verein Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft.

Reformen gefordert

Zur Umsetzung ambitionierter Ziele bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen fordern die Organisationen von der Bundesregierung, bei der Novelle des deutschen Arzneimittelgesetzes und der anstehenden EU-Tierarzneimittelnovelle dafür Sorge zu tragen, dass die Reserveantibiotika der WHO-Liste ab 2020 nicht mehr in Intensivtierhaltungen eingesetzt werden dürfen.

Erst gestern hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe betont, Deutschland wolle seine Rolle in der globalen Gesundheitsversorgung ausbauen. Man sei ent­schlossen, weltweite Gesundheitsprobleme energisch zu bekämpfen und dabei die Expertise im Bereich Global Health enger zu bündeln, erklärte Gröhe (CDU) in einem Beitrag in The Lancet. Der Minister kündigte darin auch ein Treffen von Experten aus Human- und Veterinär­medizin zum Thema Antibiotikaresistenzen im Herbst dieses Jahres an.

kna/hil

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