Ärzteschaft

Hausärzte spielen für pflegende Angehörige eine wichtige Rolle

  • Freitag, 14. September 2018
/Peter Maszlen, stockadobecom
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Berlin – Für pflegende Angehörige ist der Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner und wird dies auch in Zukunft bleiben. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Versicherten­befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Demnach pflegt fast jeder fünfte der rund 6.000 Befragten einen ihm nahestehenden Menschen. 59 Prozent gaben an, sich in dieser Situation ratsuchend an den Hausarzt zu wenden. Überdurchschnittlich oft erfolgt die Rücksprache bei den über 70-Jährigen.

„Die Pflege Angehöriger ist eine körperlich und emotional sehr belastende Aufgabe“, sagte KBV-Vizechef Stephan Hofmeister. Oftmals würden Betroffene erst spät realisieren, dass sie Hilfe benötigten, um nicht selbst zu erkranken. Mit Blick auf die Alterung der Bevölkerung betonte Hofmeister: „Hausärzte werden sich in Zukunft nicht nur um mehr pflegebedürftige Patienten kümmern müssen, sondern auch um deren Angehörige.“ Dies sei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Pflegende Angehörige brauchen Ansprechpartner im Gesundheitswesen

Bei der Versichertenbefragung hatten fast 60 Prozent der Pflegenden angegeben, dass sie die Pflege körperlich stark oder sehr stark belastet. Noch stärker ist aber der psychische Druck: 78 Prozent der pflegenden Angehörigen berichteten von einer starken oder sehr starken gefühlsmäßigen Belastung.

„Pflegende Angehörige brauchen Ansprechpartner im Gesundheitswesen, die neben der Versorgung der Pflegebedürftigen selbst vor allem die körperliche Gesundheit und die seelischen Sorgen der Hilfegebenden im Blick haben“, unterstrich Adelheid Kuhlmey von der Berliner Charité. Diese Ansprechpartner seien im zunehmenden Maße Hausärzte. Bei der Versichertenbefragung hatten rund drei Viertel der Befragten, die mit ihrem Hausarzt über ihr Pflegeengagement gesprochen haben, angegeben, dass sie auf solche Angebote aufmerksam gemacht wurden.

Zentrale Schlüsselfunktion liegt beim Hausarzt

Die Vertragswerkstatt der KBV hat bereits vor Jahren ein spezielles Versorgungskonzept für pflegende Angehörige entwickelt. Ziel ist es, den gesundheitlichen Risiken und Einschränkungen der Betroffenen vorzubeugen beziehungsweise diese zu minimieren. Das Konzept setzt bei der zentralen Schlüsselfunktion des Hausarztes an und soll durch eine gezielte Situationsanalyse und Beratung eine frühzeitige individuelle Unterstützung ermöglichen.

Konkret sieht das Versorgungskonzept zunächst vor, das individuelle pflegebedingte Gesundheitsrisiko des pflegenden Angehörigen zu ermitteln und auf dieser Basis eine weiterführende Beratung zu körperlichen und psychosozialen Belangen anzubieten.

hil/sb

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