Ärzteschaft

Kassenärztliche Bundesvereinigung will Digitalisierung koordinieren

  • Dienstag, 19. September 2017
Von links: Andreas Gassen, Stephan Hofmeister, Thomas Kriedel /Gebhardt
Von links: Andreas Gassen, Stephan Hofmeister, Thomas Kriedel /Gebhardt

Berlin – Eine praktikable und gute Koordination der weiteren Maßnahmen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen fordert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Wie der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen und seine Vorstandskollegen Stephan Hofmeister und Thomas Kriedel im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt verdeut­lichten, will man die zurzeit noch unterschiedlichen Ansätze in Technik und Semantik der Datenstruktur in passende Rahmenbedingungen überführen.

KBV-Vorstandsmitglied Kriedel: „Wir sehen es als wichtig an, sämtliche im Feld von elektronischer Gesundheitskarte und elektronischer Patientenakte zurzeit in Entwick­lung befindlichen Lösungen genau anzusehen und in passende Regelungen und gemeinsame Rahmenbedingungen zu überführen.“ Um eine Verbesserung zu erreichen, müsse der Arzt diese Entwicklung mitbestimmen.

Verhindert werden müsse, ergänzte KBV-Vorstand Hofmeister, dass der Arzt künftig „mit Informationen überflutet werde“. „Abgesehen von technischer Machbarkeit auf der einen und einer zu gewährleistenden Synchronität und Interoperabilität der Arzt­gruppen untereinander müsse gewährleistet sein, dass der Arzt eine vollumfängliche Patientenakte auch in vollem Umfang haftungsrechtlich abgesichert bewältigen kann“, so Hofmeister.

Nur dem Patienten die Daten zu geben, nütze im Gesundheitswesen wenig, meinte Thomas Kriedel. Hier seien gerade auch vor der Voraussetzung, dass der Patient die Herausgabe seiner Daten bestimmen könne, haftungsrechtliche Grundsätze zu klären. Kriedel: „Es ist nicht trivial, so etwas technisch aufzubauen.“

Die Image-Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ soll dem KBV-Vorstand zufolge ab kommendem Jahr andere Schwerpunkte setzen. Man werde insbesondere die auf den Nachwuchs zielenden Teile der Kampagne stärken. Denn die Maßnahmen gegen den Nachwuchsmangel wie die Webseite „lass-dich-nieder.de“ „haben enorme Durchdringung in der Studentenschaft gefunden.“ KBV-Vorstand Stephan Hofmeister bestätigte, dass die Nachwuchs­kampagne gute Zahlen aufweise, auch wenn man in der Medizin aufgrund langer Zeiten nur langfristig Erfolge aufzeigen könne. Hofmeister: „Wir als KBV setzen hier auf Freiwilligkeit, glauben weniger an normative oder planerische Maßnahmen.“

Einen Paradigmenwechsel sieht der KBV-Vorstand gegenüber den vergangenen Jahren vor allem darin, „das Schöne am Beruf aufzuzeigen“. Das Positive habe man in der Vergangenheit vernachlässigt, jetzt sei aber die Trendwende „deutlich messbar“. Beschäftigen müsse man sich mit der Frage, „ob eigentlich die Richtigen Medizin studieren“, erklärte Hofmeister. Letztlich sei die Bewältigung des Mangels auch eine Frage von Angebot und Nachfrage, dem man sich stellen müsse. Wenn es wenig Ärzte gebe, die heute in die Versorgung wollten, sei „natürlich auch Geld eine Motivation“.

Festzustellen sei aber auch, dass die derzeit von Jüngeren oft präferierte Anstellung „nur ein Brückenkopf zur Niederlassung“ sei, erklärte Gassen. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen sei es laut KBV-Spitze falsch, davon auszugehen, dass die neue Generation die Niederlassung apodiktisch und kategorisch ablehne. Hofmeister: „Die Kampagne wirkt, wir werden die positive Kommunikation zur Niederlassung, zur Freiberuflichkeit fortsetzen, den korporatistischen Gedanken, den Mehrwert der Selbstverwaltung und die Inhalte des Masterplans vorantreiben“.

Gleichzeitig warnte der Vorstand aber auch davor, „einfach mal 10.000 Studierende mehr anzunehmen“, weil man die Zeiten der ehemaligen Ärzteschwemme und die volkswirtschaftlichen Effekte der sogenannten Schweinezyklen fürchte. „Ich wäre angesichts der sich immer wieder wandelnden Prognosen vorsichtig, gerade auch weil die Ausbildung sehr teuer und langwierig ist.“ Hofmeister warnte davor, „jetzt in Hektik zu verfallen“.

mn

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