Kollabierender Gesundheitsdienst gefährdet Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Köln – Angesichts des drohenden Personalmangels im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) vor massiven Versorgungsmängeln gewarnt. „Der ÖGD darf nicht ausbluten“, mahnte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Ohne den öffentlichen Gesundheitsdienst und dessen aufsuchende Funktion könne die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht gewährleistet werden.
Laut BVKJ geht im kommenden Jahrzehnt jeder zweite Arzt im ÖGD in Rente. Gleichzeitig seien die schlecht bezahlten Stellen im öffentlichen Dienst für den Ärztenachwuchs wenig attraktiv.
Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sorgt vor allem für die Gesundheitsförderung in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder. ÖGD-Ärzte gehen in Kitas und Schulen und untersuchen die individuellen Entwicklungsstände und Förderbedarfe von Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen.
Bei Bedarf kümmern sie sich um sozialpädiatrische Hilfe. Außerdem sorgen sie dafür, dass alle Kinder rechtzeitig und STIKO-konform geimpft sind, wenn sie eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Und sie kümmern sich mit um die medizinische Versorgung von Flüchtlingskindern.
„Wichtig ist diese aufsuchende Arbeit insbesondere für Kinder aus benachteiligten Milieus, deren Eltern es oft nicht schaffen, aus eigener Initiative Arzt- und Therapeutenbesuche zu organisieren", unterstrich der BVKJ-Chef die Rolle des ÖGD als Säule des gemeinwohlorientierten medizinischen Versorgungssystems. „Jeder Masernausbruch, jedes behinderte oder entwicklungsgestörte Kind zeigt uns, dass wir nicht zulassen dürfen, dass die Kommunen ihn kaputtsparen“, so Fischbach.
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