Politik

Krankenhäuser: Mehr Ergebnisqualität und Patientenbefragungen etablieren

  • Montag, 21. September 2026
Leila Harhaus-Wähner (BG Klinikum Berlin), Susanne Johna (MB), Christine Vogler (Pflegerat), Sonja Optendrenk (G-BA), Henriette Neumeyer (DKG), Moderator Peter Gausmann (v.li.) /DÄ/cmk
Leila Harhaus-Wähner (BG Klinikum Berlin), Susanne Johna (MB), Christine Vogler (Pflegerat), Sonja Optendrenk (G-BA), Henriette Neumeyer (DKG), Moderator Peter Gausmann (v.li.) /DÄ/cmk
Dieses Dialog-Fenster öffnen

Berlin – Bei der Frage, wie Qualität im Krankenhaus sichergestellt und dennoch Regulierungen abgebaut werden können, müsse künftig eine stärkere Kombination von Ergebnis- und Strukturqualität etabliert werden. Das betonte Sonja Optendrenk, unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), heute bei einer Diskussionsrunde auf dem Krankenhausgipfel der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Zudem bräuchte es bestenfalls eine Institution, die entsprechende Regelungen und Vorgaben formuliert, anstatt dass viele unterschiedliche Richtlinien von etwa fünf verschiedenen Institutionen gelten. Denn diese würden häufig das gleiche regeln, nur etwas anders formuliert, so Optendrenk. Die Konsequenz: Viele Meldepflichten existierten, die teils die gleichen Daten abfragen. Diesen Vorschlag begrüßte auch die Ärztin und Chirurgin Leila Harhaus-Wähner vom BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin.

Weiter müssten künftig verstärkt positive Entwicklungen belohnt als negative sanktioniert werden. Der GBA würde sich dieser Aufgabe „sicherlich annehmen“, es bräuchte aber einen klaren gesetzlichen Auftrag dafür, betonte Optendrenk.

Dagegen sprach Susanne Johna, erste Vorsitzende beim Marburger Bund (MB). Sie plädierte für einen klaren Reset bei den Vorgaben zur Qualitätssicherung, um Personal zu entlasten. Beispielsweise müssten Kliniken, die sich seit Jahren bei der Abrechnung korrekt verhalten haben, nicht mehr geprüft werden, so Johna.

Auch Henriette Neumeyer, stellvertretende DKG-Vorstandsvorsitzende, schlug einen Minimaldatensatz vor, der etwa die wichtigsten zehn Indikatoren umfasse, einmal erhoben und von einer Stelle verwaltet werde. „Das würde reale Entlastung bringen“, so Neumeyer. Dennoch sei ihr die schwierige Umsetzung bewusst.

Patientenbefragungen zentral

Einig waren sich die Teilnehmenden der Diskussionsrunde aber dahingehend, dass Patientinnen und Patienten künftig verstärkt befragt werden müssten, ob ihre Behandlung gut verlaufen sei oder nicht. Wichtig sei auch die Langzeiterfahrungen für Patienten, die sich aufgrund eines Klinikaufenthalts ergeben, betonte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates.

Optendrenk warnte zudem vor der aktuellen Entwicklung der laufenden Reformvorhaben. Denn diese würden tendenziell mehr Strukturqualität als Ergebnisqualität etablieren.

Auch Heidemarie Haeske-Seeberg, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, sprach sich für mehr Ergebnisqualität aus. Dafür brauche es allerdings eine flächendeckende, strukturierte elektronische Patientenakte (ePA) mit intelligenten Suchfunktionen sowie funktionierende elektronische Medikationspläne und interoperable Systeme.

Um die Qualität und Sicherheit sicherzustellen, müsse zudem der Fokus auf Indikationskonferenzen für komplexe Fälle, Peer Reviews, Fallanalysen und CIRS gelegt werden. Grundlage sei die Datentransparenz. Da „One fits all“-Lösungen der Wirklichkeit nicht gerecht würden, müsse den Einrichtungen mehr Eigenverantwortung zugesprochen werden. Die Steuerung und Kontrolle der Ergebnisse sei aber genauso wichtig, so Haeske-Seeberg.

Neue Debatte entfachen

Mit dem Krankenhausgipfel werde hoffentlich der Auftakt für eine neue Debatte gesetzt, betonte heute der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß. „Wir müssen versuchen, Krankenhausversorgung neu zu denken und in Innovationen zu investieren.“

Angesichts einer größer werdenden Schere zwischen Ein- und Ausgaben und kostspieligen Regulierungen brauche es einen grundlegenden Kurswechsel bei Bürokratie und Qualitätssicherung, erklärte dazu die DKG weiter. Entscheidend dürfe nicht mehr sein, dass jeder einzelne Schritt kleinteilig oder gar mehrfach dokumentiert, sondern dass die Behandlung erfolgreich in guter Qualität abgeschlossen werde. Ein entsprechendes Bürokratieabbaugesetz soll in den nächsten Monaten vorgelegt werden, kündigte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf dem Krankenhausgipfel an.

Vor einem Abbau der Qualitätsstandards warnte heute hingegen der GKV-Spitzenverband. Behandlungsergebnisse müssten transparent werden und Konsequenzen für Qualitätsverbesserung, Planung und Steuerung haben. Sie dürften aber nicht als Vorwand dienen, verbindliche Anforderungen an Personal, Erfahrung, technische Ausstattung und sichere Abläufe abzubauen, hieß es in einer Mitteilung.

„Wer die gesetzliche Qualitätssicherung schwächt, schwächt auch die Qualität der Patientenversorgung“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Eine stärkere Orientierung an Behandlungsergebnissen sei richtig und überfällig. Vorgaben an Personal, dessen Erfahrung, die Technik und sichere Abläufe seien aber notwendig für den Patientenschutz. Sie dürften nicht gestrichen werden.

„Wir dürfen nicht erst dann eingreifen, wenn Qualitätsmängel bereits zu Komplikationen oder Todesfällen geführt haben“, betonte Stoff-Ahnis. „Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die vorhandenen Verfahren zur Qualitätssicherung nicht zulasten der Sicherheit für Patientinnen und Patienten abgespeckt werden.“

Die Ergebnisse der Qualitätssicherungsverfahren des G-BA würden regelmäßig verdeutlichen, dass sehr viele Krankenhäuser in Deutschland gute Arbeit leisten. Sie zeigten aber auch, dass es Häuser gebe, in denen die Qualität der Versorgung in einzelnen Bereichen deutlich verbessert werden müsse, so der GKV-Spitzenverband weiter. Ein Beispiel sei die geplante Versorgung mit künstlichem Hüftgelenkersatz. Bei etwa fünf Prozent der Kliniken, die diese Eingriffe durchführen, zeigten sich im vergangenen Jahr relevante Defizite. Dort sei es vermehrt zu Komplikationen oder auch zu Todesfällen gekommen.

Die Qualitätssicherungsverfahren würden zudem bei der Krankenhausplanung helfen. Bei den aktuell laufenden Zuweisungsprozessen der Leistungsgruppen in den Bundesländern könnten die Ergebnisse der Qualitätssicherungsverfahren laut GKV-Spitzenverband gerade jetzt die Chance bieten, für jeden Leistungsbereich genau die Häuser auszuwählen, die am besten dafür geeignet sind.

Auch die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, begrüßte den Fokus auf Ergebnisqualität. 2022 habe die WiZen-Studie für zentrale onkologische Bereiche gezeigt, dass die Versorgung in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren zu einem höheren Überleben nach Krebs führt. „Aber es sind eben die für die Zentren geltenden Prozess- und Strukturvorgaben, die zu diesen besseren Ergebnissen führen“, betonte Reimann.

Das Wissenschaftliche Institut WIdO der AOK habe in den letzten beiden Jahrzehnten für eine Vielzahl von Indikationen nachgewiesen, dass höhere Fallzahlen und eine eingespielte Versorgungskette mit besseren Ergebnissen für die Patienten einhergehen.

„Daher wäre eine alleinige Fokussierung auf die Ergebnisqualität falsch“, so Reimann. Sie zeige sich offen gegenüber dem Abbau von unnötiger Bürokratie, das Interesse der Patientensicherheit müsse aber gewährleistet sein.

cmk

Diskutieren Sie mit:

Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen

Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.

Jetzt bei Google bevorzugen

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung