Politik

Krankenhausverband sieht Einsparpotenzial durch Prävention und Bürokratieabbau

  • Donnerstag, 15. Januar 2026
/everythingpossible, stock.adobe.com
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Berlin – Um die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) künftig finanziell zu stabilisieren, werden neben kurzfristigen Einsparungen auch sektorenübergreifende Maßnahmen benötigt. Das betonte heute der Vorstandvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. „Es braucht Strukturveränderungen, die Ruhe und Vertrauen in das System geben“, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Angesichts der Herausforderung des demografischen Wandels müssten einerseits Krankenhausaufenthalte durch Prävention vermieden und andererseits Kliniken fit gemacht und effizienter gestaltet werden, um mit vorhandenen Ressourcen mehr Versorgung leisten zu können, sagte Gaß.

„Die beste Einsparung ist der Patient, der gar nicht erst ins Krankenhaus kommt“, sagte auch die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer. Entsprechend müsste die Politik mehr in Prävention investieren, den Zugang zu Tabak und Alkohol erschweren und teurer machen sowie mehr Bewegung, etwa in Schulen oder im Breitensport, fördern.

Weiter sei für Einsparungen im GKV-Bereich die Refinanzierung von versicherungsfremden Leistungen nötig. Zudem müssten bestehende GKV-Leistungen auf ihre Evidenz hin genau überprüft werden, betonte Neumeyer.

Krankenkassenverbände könnten zudem reduziert werden, da entsprechende Personalausstattungen aus dem Solidarsystem bezahlt würden, schlug Neumeyer weiter vor. Ebenfalls sei eine Reduktion der Krankenkassen denkbar.

Insgesamt seien die personellen Aufwüchse in der Verwaltung im Gesundheitssystem deutlich angewachsen in den vergangenen Jahren. Hier ließen sich auch Einsparungen vornehmen, so ihre Idee. Kurzfristig könnten darüber hinaus Einsparungen im Arzneimittelbereich angestrebt werden, sagte Gaß.

Einsparmöglichkeiten in den Kliniken

Im Bereich der Krankenhäuser selbst seien Einsparungen etwa durch Bürokratieabbau möglich, erklärte Gaß weiter. Insbesondere kleinteilige Personalvorgaben, etwa durch die Pflegepersonaluntergrenzen oder Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-Richtlinie) seien der DKG ein Dorn im Auge.

Patientinnen und Patienten könnten zudem eine höhere Eigenbeteiligung bezahlen, schlug Gaß vor. Derzeit bezahlen sie pro Tag im Krankenhaus zehn Euro, dies könnte man auf 20 Euro erhöhen.

Auch über eine bessere Patientensteuerung, insbesondere durch die Notfallreform könnte man Kosten einsparen. „Patienten, die sich steuern lassen, müssten auch keine Eigenbeteiligung bezahlen“, erläuterte Gaß. Wer sich hingegen nicht steuern lasse, sollte eine Art Eintrittsgebühr bezahlen.

Man brauche zudem eine andere Form der Ambulantisierung, betonte er. „Wir haben zu viele stationäre Fälle“, sagte Gaß. Entsprechend gebe es das Potenzial, viele Fälle kürzer und ambulanter zu behandeln. Vor allem der Kurzliegerbereich müsse ausgebaut werden. Die geplante Erhöhung der Hybrid-DRG, kritisierte er hingegen. „Wenn man jetzt aber richtige Rahmenbedingungen setzen würde, könnte man Ergebnisse bereits ab Januar 2027 sehen“, sagte Gaß.

Man brauche zudem eine andere Standortdefinition, kritisierte Gaß. Dass Krankenhäuser künftig nur als ein Standort gezählt werden sollen, wenn ihre einzelnen Gebäude nicht mehr als 2.000 Meter voneinander entfernt lägen, sei nicht sinnvoll. Wenn dadurch etwa neue Doppelstrukturen aufgebaut werden müssten, sei dies ineffizient und koste zusätzliches Geld.

Abschaffen könne man Gaß zufolge auch den Bundesklinikatlas. Dieser sei ein „völlig nutzloses Instrument“, biete keinen Mehrwert und verursache „enorme Kosten“.

Mittel- und langfristig werde die Krankenhausreform mit der geplanten Spezialisierung und Konzentration zudem zu Kosteneinsparungen führen, sagte Gaß. Wenn entsprechende Rahmenbedingungen konsequent umgesetzt würden, werde es möglich sein, mehrere Hundert Krankenhausstandorte zu verändern, umzubauen oder zu fusionieren, zeigte er sich überzeugt.

Er prognostizierte jedoch, dass es für das im parlamentarischen Verfahren befindliche Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) vermutlich ein Vermittlungsverfahren zwischen Bund und Ländern geben werde. Zu verschieden seien die Vorstellungen der einzelnen Akteure, auch die Bundestagsfraktionen Union und SPD seien „nicht beieinander, was die Kernfragen angeht“.

Kurzfristige Einsparpläne, wie Ende 2025 von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit den 1,8 Milliarden Euro an Einsparungen im stationären Bereich forciert – würden hingegen nicht funktionieren, sagte Gaß. Stattdessen bräuchte es für solche Vorhaben mehr zeitlichen Vorlauf. Wenn Krankenhäuser kurzfristig Geld einsparen müssten, sollte sich die Politik auch klar eingestehen, welche Aufwände nicht mehr erbracht werden sollen, um dieses Ziel erreichen zu können.

cmk

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