Krebsregister Schleswig-Holstein: Unterschiede der Überlebensraten

Lübeck – Die Heilungschancen nach einer Krebsdiagnose unterscheiden sich stark. Das zeigt eine neue Analyse der Daten des Krebsregisters Schleswig-Holstein. Beim malignen Melanom im günstigsten Tumorstadium überleben beispielsweise fast alle Erkrankten. Bei Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium sind es nur etwa vier Prozent.
Die wissenschaftliche Untersuchung nutzt Daten des Krebsregisters, die von 2004 bis 2019 gesammelt wurden, um Prognosen für verschiedene Krebserkrankungen unter Berücksichtigung von Tumorstadium, Alter und Geschlecht zu ermitteln. Zusätzlich enthält der Bericht Zahlen dazu, wie hoch die statistisch errechnete Heilungschance ist, wenn die Krebsdiagnose schon einige Zeit zurückliegt.
In Schleswig-Holstein leben aktuell mehr als 100.000 Menschen mit einer aktiven oder überstandenen Krebserkrankung. Pro Jahr treten im nördlichsten Bundesland etwa 20.000 neue Krebserkrankungen auf. Etwa 9.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Krankheit. Brust-, Darm- und Lungenkrebs werden am häufigsten bei Frauen diagnostiziert, bei Männern sind es Prostata-, Lungen- und Darmkrebs. Das mittlere Alter der Neuerkranken liegt bei 70 Jahren.
Die Überlebenschancen für viele Krebserkrankungen haben sich laut der Analyse in den vergangenen Jahren verbessert. So leben fünf Jahre nach der Diagnose Krebs noch fast zwei Drittel der Betroffenen. Dabei hängt die Prognose nach Feststellung einer Krebserkrankung ganz wesentlich von der Art der Krebserkrankung, dem Schweregrad bei Diagnose sowie vom Alter und Geschlecht ab. Auch die schon überstandene Zeit nach der Behandlung spielt eine wichtige Rolle für die weitere Prognose.
Die Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden, darauf weist Alexander Katalinic vom Krebsregister Schleswig-Holstein hin. „Unsere Berechnungen sind statistischer Art und beziehen sich auf Gruppen von Erkrankten. Sie sind nicht pauschal auf einen einzelnen Menschen anwendbar“, so Katalinic. Patienten sprächen in der Regel im Gespräch mit ihrem Arzt über die individuelle Erkrankung und die möglichen Folgen beziehzungsweise Prognosen.
Das Krebsregister Schleswig-Holstein nahm 1997 seine Arbeit auf. Es erfasst das Auftreten von Krebsneuerkrankungen und ermöglicht so Aussagen zur Krebshäufigkeit und -verteilung im Land.
Seit 2016 werden sämtliche Krebserkrankungen und ihre Verläufe erfasst. Die Daten stellen eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Ärztinnen und Ärzte dar und helfen, die Heilungschance von Krebs auf Basis aktueller Erkenntnisse einzuschätzen.
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