Mangel an Fachärztinnen und -ärzten bedroht Weiterbildung in den Gesundheitsämtern

Berlin – Ein großer Teil der Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen geht auf den Ruhestand zu, gleichzeitig rücken zu wenige neue nach. „Wir müssen jetzt durch attraktive Arbeitsbedingungen und verstärkte Weiterbildungsanstrengungen dauerhaft mehr Nachwuchs für die Gesundheitsämter gewinnen. Gleichzeitig müssen wir den Fachkräften eine langfristige Perspektive bieten, die durch den ÖGD-Pakt in die Ämter gekommen sind“, sagte dazu der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Johannes Nießen.
Der Verband bezieht sich bei seiner Warnung auf die neue Statistik der Bundesärztekammer (BÄK). Danach arbeiteten in den Gesundheitsämtern in Deutschland Ende 2019 vor Beginn der Pandemie insgesamt 2.564 Ärzte verschiedener Fachrichtungen. Bis Ende 2022 ist ihre Zahl auf 3.529 gestiegen.
Die Zahl der in den Gesundheitsämtern tätigen Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen hat sich hingegen im gleichen Zeitraum kaum verändert. Deren Zahl hat sich von 403 (Ende 2019) lediglich auf 409 (Ende 2022) erhöht. „Somit bleibt es dabei: Den rund 375 Gesundheitsämtern in Deutschland steht in Schnitt lediglich rund eine Fachärztin/ein Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen zur Verfügung“, sagte Nießen.
Laut der BÄK-Statistik waren Ende 2022 48 Prozent aller berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen 60 Jahre und älter. Zum Vergleich: Bei sämtlichen berufstätigen Ärztinnen und Ärzten liegt der Anteil der über 60-jährigen bei circa 22 Prozent. Gleichzeitig erwarben im Jahr 2022 nur 36 Ärzte ihren Weiterbildungsabschluss für dieses Fachgebiet.
„Wenn wir hier keine Trendwende schaffen und mehr Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen gewinnen, wird die Weiterbildung dazu in Zukunft immer schwerer werden. Es wird dann unmöglich, die Leitung von Gesundheitsämter mit den entsprechenden Fachärztinnen oder Fachärzten zu besetzen“, warnte der BVÖGD-Vorsitzende.
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