Marburger Bund: Tarifverhandlungen mit kommunalen Arbeitgebern in entscheidender Phase

Berlin – Der Marburger Bund (MB) ist verhalten optimistisch, dass die morgen beginnende fünfte Verhandlungsrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) zum Abschluss eines neuen Tarifvertrags führen wird. Der 2. Vorsitzende des MB, Andreas Botzlar, kritisierte die VKA allerdings dafür, dass sie die Tarifverhandlungen in die Länge ziehe.
„Wir befinden uns jetzt im fünften Monat der Verhandlungen. Das finden wir relativ lang“, sagte Botzlar heute vor Journalisten. „Deshalb kann man sicher sagen, dass dies die letzte Verhandlungsrunde ist, die unter Normalbedingungen stattfindet.“
Am Ende der für drei Tage angesetzten Verhandlungsrunde stehe entweder ein akzeptables Ergebnis oder „die Erkenntnis, dass wir auf dem Verhandlungsweg nicht zum Ziel kommen können“, so Botzlar. Die Folge sei dann der Beginn eines Arbeitskampfes.
Der MB fordert insbesondere die Einführung eines neues Systems der sogenannten Schicht und Wechselschicht. „In letzter Zeit beobachten wir den Trend, dass Krankenhäuser die ärztliche Arbeit und auch die Arbeit der anderen Gesundheitsberufe immer mehr in den Abend, in die Nacht oder in die Wochenenden verlegen – ohne dass es dafür eine medizinische Begründung gibt“, sagte Botzlar.
Dahinter stehe alleine die Vorstellung der Wirtschaftsplaner, dass ein Krankenhaus mehr Operationen durchführen könne, wenn es diese zum Beispiel in die Nacht verlege. Es sei selbstverständlich, medizinische Notfälle zu jeder Tages- und Nachtzeit zu behandeln. „Eine Hüftendoprothese muss man aber nicht um drei Uhr nachts einbauen“, betonte Botzlar.
Auf einem guten Weg
„Wir wollen in den anstehenden Verhandlungen das derzeitige, jahrzehntealte System der Schicht und Wechselschicht hinter uns lassen und ein neues Modell entwickeln, das den ärztlichen Anforderungen besser gerecht wird“, erklärte MB-Verhandlungsführer Christian Twardy.
„Die Chance ist da – es bedarf aber auch der konstruktiven Bereitschaft der Arbeitgeber, überkommene Regelungen abzuschaffen, die einer Einigung im Wege stehen.“ Das betreffe insbesondere die hoch belastende Arbeit im Wechselschichtsystem.
„Ich sehe uns auf einem guten Weg und bin verhalten optimistisch“, so Twardy. „Wenn wir uns alle ein wenig am Riemen reißen, wird es uns gelingen, eine notwendig detaillierte und hinreichend rechtssichere Lösung zu erreichen.“
Ausgleich der Inflation
Darüber hinaus fordert der Marburger Bund eine lineare Erhöhung der Gehälter um 8,5 Prozent und zusätzlich finanzielle Verbesserungen bei Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft.
„Die fortgesetzte Teuerung seit dem letzten Abschluss vor 18 Monaten muss sich in den Gehaltssteigerungen ebenso widerspiegeln wie die hohe Leistungsbereitschaft der Ärztinnen und Ärzte, die den Personalmangel auf vielen Stationen Tag für Tag kompensieren müssen“, betonte Botzlar.
Zudem habe sich die Ausgangssituation für die kommunalen Krankenhausträger durch die vom Bundestag beschlossene Refinanzierung der Tariflohnsteigerungen im Rahmen der Krankenhausreform verbessert.
Der Verhandlungsführer der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA), Dirk Köcher, hatte zuletzt darauf verwiesen, dass man dem MB trotz schwieriger finanzieller Lage Zugeständnisse gemacht habe. Bei der nächsten Runde solle „endlich eine Tarifeinigung" erzielt werden, erklärte Köcher.
Der Tarifvertrag mit der VKA gilt für bundesweit etwa 60.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern mit Ausnahme der Vivantes-Kliniken in Berlin und anderen Kliniken, für die Haustarifverträge gelten.
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