Ärzteschaft

Sorge sieht beim Primärversorgungssystem „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“

  • Donnerstag, 19. März 2026
Hauke Gerlof (Moderation), Christine Neumann-Grutzeck (BDI), Dirk Heinrich (SpiFa), Tino Sorge MdB, Ellen Lundershausen (BÄK), Anke Steuerer (BVKJ) /SpiFa
Hauke Gerlof (Moderation), Christine Neumann-Grutzeck (BDI), Dirk Heinrich (SpiFa), Tino Sorge MdB, Ellen Lundershausen (BÄK), Anke Steuerer (BVKJ) /SpiFa

Berlin – Bei Entwicklung und Implementierung des geplanten Primärversorgungssystems geht „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“. Dies betonte heute Tino Sorge (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit, im Rahmen des Spifa-Fachärztetages.

Klar sei, so Sorge, dass es im Versorgungssystem „mehr Steuerung“ brauche. Aktuell gebe es vergleichsweise viele Arzt-Patienten-Kontakte – auch weil die individuelle Selbsteinschätzung der Patientinnen und Patienten oft „Akutfall“ laute.

Ein künftiges Primärversorgungssystem inklusive Ersteinschätzung könne für systemische Entlastung sorgen, müsse die Menschen aber eben auch mit konkret erfahrbarem Nutzen überzeugen und so für Akzeptanz sorgen.

Um sowohl die Leistungserbringerseite als auch die Patientenperspektive bei der Entwicklung einzubinden, habe man den Fachdialog zum Primärversorgungssystem mit den verschiedenen Akteuren initiiert.

Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (Spifa), begrüßte im Grundsatz die Umsetzung eines Primärversorgungssystems und lobte den „offenen Dialog“ mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Die weitere Umsetzung werde aber wohl „nicht ganz konfliktfrei“, etwa mit Blick auf die notwendigen und „nicht banalen“ Anpassungen im einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM), sagte er.

Angesichts von Bestrebungen aus Politik und Krankenkassen die Vergütungsregelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) wieder abzuschaffen, warnte Heinrich, man dürfe das TSVG „nicht beerdigen“. Wer schon vor einer großen Reform die Akteure vergrätze, werde es schwer haben, seine Vorstellungen umzusetzen.

In diesem Zusammenhang forderte Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), mehr Planbarkeit bei den Rahmenbedingungen für die ärztliche Arbeit, die aus politischen Zusagen resultierten.

Sorge stimmte in diesem Punkt zu und verwies darauf, dass er die Regelungen im 2019 beschlossenen TSVG mitgestaltet und unterstützt habe. „Kein Dissens“ sah er auch bei der Notfallreform. Diese werde „relativ zeitnah“ kommen und eine digitale Ersteinschätzung einbinden.

Zuvor hatte Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und
Internisten (BDI), darauf hingewiesen, dass eine digitale Ersteinschätzung auch und gerade im Kontext der Notfallversorgung ein sehr wichtiges Element darstelle.

Hier sei ein besonders großer Benefit für das System zu erwarten und auch die Patienten könnten unmittelbar Nutzen erfahren – etwa wenn sie weniger Zeit in Notaufnahmen verbringen müssen.

Spifa-Chef Heinrich appellierte in Richtung Politik, die Notfallreform zwingend im Zusammenspiel mit der Krankenhausreform umzusetzen – ein Hinweis, der auch in den weiteren Sessions des Spifa-Fachärztetags mehrfach aufkam.

Nach Heinrichs Einschätzung ist die Krankenhausreform allerdings nach diversen Anpassungen nur noch auf einem „mittleren Niveau“ bei den möglichen Effizienzgewinnen angekommen. Auch die stringente Umsetzung in den Bundesländer bleibe abzuwarten. Dabei stelle der stationäre Bereich den „größten Kostentreiber“ für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dar, was eine Ausgabendämpfung eigentlich höchst sinnvoll mache.

Stattdessen würden Praxisinhaber in „Mithaftung“ für Entwicklungen genommen, die sie weder beeinflussen können noch zu verantworten hätten – wie beispielsweise den medizinisch-technischen Fortschritt oder die Auswirkungen der Demografie. Hinzu kämen weiterhin Probleme und Verzögerungen bei der Ambulantisierung, deren Potenzial nach wie vor weitgehend brach liege.

aha

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung