Ärzteschaft

Sprachmittlerpool unterstützt ambulante Versorgung in Hamburg

  • Dienstag, 5. Juni 2018

Hamburg – Mit dem Hamburger Sprachmittlerpool startet jetzt ein neues Angebot für die ambulante Gesundheitsversorgung in der Hansestadt, das niedergelassenen Ärzte nutzen können. Ein entsprechendes Modellprojekt hat der Verein „Segemi Seelische Gesundheit – Migration und Flucht“ zusammen mit der Lebenshilfe Hamburg und der Ärztekammer Hamburg konzipiert. Es läuft zunächst für ein Jahr. Das Modellprojekt unterstützt gezielt die Förderung von Menschen mit Behinderungen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen.

„Sprachmittler“ ist zwar der Oberbegriff für Übersetzer und Dolmetscher. Wie die Ärztekammer Hamburg dem Deutschen Ärzteblatt erklärte, übersetzen die Sprachmittler nicht nur, sondern erläutern auch die nonverbale Kommunikation. „Durch den Einsatz professioneller Sprachmittler werden Familienmitglieder, die in der alltäglichen Praxis oft als Sprachmittler herhalten müssen, entlastet. Mit qualifizierten Sprachmittlern sind Gespräche deutlich effektiver durchführbar“, sagte Silke Koppermann, Vorsitzende des Ausschuss Grundrechte der Ärztekammer Hamburg bei einer Auftaktveranstaltung zu dem Projekt Anfang Juni.

Der Verein kann im Augenblick Sprachmittler für 28 Sprachen anbieten. Ärzte können die Sprachmittler über den Verein unbürokratisch für die Behandlung ihrer Patienten anfordern. Segemi übernimmt im Rahmen des Projekts die Kosten für die Arbeit der Sprachmittler und sorgt nach eigenen Angaben durch Supervision, Fortbildung und Evaluationen auch für eine qualitativ hochwertige Arbeit der Fachkräfte. Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Stadt unterstützt das Projekt mit 90.000 Euro zunächst bis Februar 2019.

„Das Modellprojekt ist ein wichtiges Signal für die Versorgung von geflüchteten und emigrierten Menschen. Jetzt müssen wir sehen, ob und wie die qualifizierte Sprach­mittlung von den Akteuren angenommen wird. Sollten wir mit dem Modell die Regelversorgung stärken können, setzten wir uns mit Nachdruck dafür ein, dass es eine Regelfinanzierung gibt“, sagte Mike Mösko, Vorsitzender Segemi Seelische Gesundheit – Migration und Flucht.

Das neue Sprachmittlerprojekt ergänzt ein bereits bestehendes Modellprojekt zur Sprachmittlung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen. Auch dieses Projekt – vor allem zur Traumatherapie bei Geflüchteten – betreut der Verein Segemi.

hil

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