Studie: 1.200 vorzeitige Todesfälle durch VW-Abgasbetrug in Europa

Cambridge – Die zusätzliche Schadstoffbelastung, der die Bevölkerung durch die Manipulationen von Dieselfahrzeugen des Volkswagenkonzerns ausgesetzt war, könnte in Europa zu 1.200 vorzeitigen Todesfällen führen, darunter 500 in Deutschland. Dies geht aus Berechnungen von US-Forschern hervor, die jetzt in Environmental Research Letters (2017; 12: 034014) veröffentlicht wurden.
Volkswagen hat in den Jahren 2008 bis 2015 weltweit 11 Millionen Dieselfahrzeuge mit Abschalteinrichtungen („defeat devices“) versehen, die im Alltagsbetrieb Teile der Abgasreinigung außer Funktion setzen. Darunter waren 2,6 Millionen Fahrzeuge, die in Deutschland verkauft wurden. Diese Fahrzeuge legten schätzungsweise 354 Millionen Kilometer zurück, wobei sie etwa 240 Kilotonnen Stickoxide mehr in die Atmosphäre abgaben, als dies bei Einhaltung der Abgasnorm Euro 5 der Fall gewesen wäre.
Ein Team um Steven Barrett vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge hat aus den Stickstoff-Emissionen, die in Deutschland und einigen Nachbarländern engmaschig erhoben werden, die Exposition der Bevölkerung errechnet. Dabei wurden auch die meteorologischen Daten aus dem Jahr 2013 berücksichtigt. Aus der Exposition der Bevölkerung wurden dann die gesundheitlichen Folgen berechnet, die sich allerdings weniger durch die Stickoxid-Emissionen als durch die Feinstaub- und Ozonbelastung ergeben.
Im Oktober 2015 hatte Barrett die gleiche Berechnung für die USA erstellt. Seine Berechnungen ergaben damals 59 zusätzliche Todesfälle sowie soziale Kosten in Höhe von 450 Millionen US-Dollar. Die Berechnungen für Deutschland und Europa ergeben wesentlich höhere Zahlen. Laut Barrett werden 1.200 Menschen in Europa infolge der VW-Manipulationen im Durchschnitt elf Jahre früher sterben, und die sozialen Folgekosten würden sich auf 1,9 Milliarden Euro summieren.
Dass die Zahlen in Europa deutlich höher ausfallen, führt Barrett auf die höhere Zahl verkaufter Autos (2,6 Millionen gegenüber 482.000 in den USA), die höhere Bevölkerungsdichte, ein anderes Fahrverhalten und die atmosphärischen Bedingungen zurück.
Sollte Volkswagen bis Ende 2017 die betroffenen Fahrzeuge auf die Einhaltung der Abgasnorm Euro 5 umrüsten, würde dies nach den Kalkulationen des US-Experten 2.600 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und 4,1 Milliarden Euro an entsprechenden Gesundheitskosten verhindern.
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