Terminservicestellen bei den KVen verursachen Millionenkosten
Westfalen-Lippe – Die von der Politik im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes geforderten Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigung (KVen) werden in jeder KV Kosten in Millionenhöhe verursachen. Das zeigt eine erste Überschlagsrechnung aus Westfalen-Lippe. Danach werden in Westfalen-Lippe insgesamt knapp 1,7 Millionen fachärztliche Überweisungen pro Quartal ausgestellt. „Wenn davon auch nur zehn Prozent künftig über eine Servicestelle der KV vermittelt werden müssen, entsteht für uns ein zusätzlicher jährlicher Personal-Mehraufwand von mehr als 3,6 Millionen Euro“, sagte Thomas Kriedel aus dem Vorstand der KV.
Außerdem steige der bürokratische Aufwand für die Ärzte enorm, denn es sei davon auszugehen, dass beispielsweise überweisende Hausärzte die im Gesetzentwurf formulierte „medizinische Dringlichkeit“ einer Überweisung feststellen und entsprechend dokumentieren müssten. Die Fachärzte wiederum müssten den KVen ständig freie Kapazitäten melden. Kriedel: „Ob dies dann telefonisch oder via Software, wöchentlich oder monatlich laufen soll, ist völlig unklar. In jedem Fall bringt der Regierungsplan einen großen Zeitaufwand mit sich, der den Ärzten dann am Ende bei der Patientenbehandlung fehlt.“
Nach ersten Befragungen niedergelassener Ärzte sei damit zu rechnen, dass ein jährlicher Mehraufwand von mehr als 70.000 Stunden in den westfälisch-lippischen Arztpraxen anfallen werde. „Angesichts der Beteuerungen des Gesetzgebers, die vertragsärztliche Tätigkeit von unnötigen Belastungen zu befreien, ist die Einführung der geplanten Service-Stellen blanker Hohn“, kritisierte Kriedel.
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