TI-Score der Gematik: Nur jedes siebte Praxisverwaltungssystem mit Höchstwertung

Berlin – Wie gut ein Praxisverwaltungssystem die Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI) im Alltag meistert, soll ein neuer, sogenannter TI-Score der Gematik darstellen. Der Score basiert auf Befragungen der Anbieter – auch die kontinuierliche Aktualisierung erfolgt durch deren Selbstauskunft. Nur etwa jedes siebte System konnte demnach die Bestnote erreichen.
Der TI‑Score für Arztpraxen – dargestellt werden auch Ergebnisse für Primärsysteme in Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Kliniken sowie Zahnarztpraxen – bewertet unter anderem die Funktionalitäten des elektronischen Rezepts (E-Rezept), der elektronischen Patientenakte (ePA), der elektronischen Medikationsliste (eML), der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) sowie des elektronischen Arztbriefs (eArztbriefs).
Die Kriterien zur Festlegung des TI-Scores wurden laut Gematik zusammen mit dem IGES-Institut in einem mehrstufigen Verfahren erarbeitet. Der Gesamtscore eines Primärsystems wird von der Digitalagentur anhand der jeweiligen Erfüllung der vorgegebenen Kriterien auf einer Skala von A bis E festgelegt – die Bewertungen der Einzelkriterien können im Detail geprüft werden.
Insgesamt finden sich derzeit 48 Praxisverwaltungssysteme (PVS) im Überblick der Gematik. Davon werden Stand jetzt nur sieben mit einem A bewertet. Acht PVS sind mit einem B gekennzeichnet, zehn mit einem C, weitere acht mit D sowie 15 mit E. Damit erreichen derzeit nur rund 31 Prozent der analysierten PVS mindestens ein B.
Zu beachten ist, dass aufgrund des von der Gematik gewählten Bewertungsansatzes auch dann die Gesamtnote A möglich ist, wenn beispielsweise bei den für Praxen besonders wichtigen ePA-Kriterien „Alltagstauglichkeit“ und „Usability“ nur etwa die Hälfte der Punkte erfüllt werden.
Für im Versorgungsalltag eine große Rolle spielende Aspekte wie Kundensupport, Wartungskosten und insbesondere Fehlerhäufigkeit zentraler PVS-Prozesse kann der Gematik-Score keine Aussagen treffen.
Anfang dieses Jahres hatte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die Ergebnisse einer bundesweiten Praxisumfrage vorgelegt. Demnach sind die meisten Nutzenden mit ihrer Praxissoftware eher unzufrieden, im Schnitt überwogen die kritischen Bewertungen. Jede dritte Arzt- und Psychotherapiepraxis gab an, ihr PVS wechseln zu wollen.
Die Hauptgründe: Mangelnde Nutzerfreundlichkeit (57,5 Prozent), als zu hoch empfundene Lizenzgebühren (57,1 Prozent), unzureichender Kundensupport (52 Prozent) sowie versteckte Preissteigerungen und zu hohe Wartungskosten (jeweils 46 Prozent). Hohe Werte von mehr als 50 Prozent Wechselwilligen erreichten in der Zi-Befragung auch Systeme, die im TI-Score der Gematik die Bestnote erzielen.
Hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit stuften die Nutzenden nur fünf PVS als exzellent ein. Insgesamt würden die Nutzenden 18 der 32 meistgenutzten Systeme nicht weiterempfehlen, so das Zi.
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