Viele ambulant angestellte Ärztinnen und Ärzte können sich eine Niederlassung vorstellen

Berlin – Die ambulante Anstellung ist für viele Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeuten eine Orientierungs- oder Vorbereitungsphase für eine spätere Niederlassung. Das zeigt eine bundesweite Angestelltenbefragung, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.
Danach bejahen 14,8 Prozent der Befragten eine spätere Niederlassung, 21,8 Prozent sind noch unentschlossen – das sind zusammen rund 20.000 Personen. Besonders hoch ist die Bereitschaft in jüngeren Altersgruppen: Von den unter 35-Jährigen planen 39,8 Prozent eine Niederlassung, weitere 45,4 Prozent sind unentschlossen. Auch bei den 35- bis 39-Jährigen bejaht knapp ein Drittel (31,5 Prozent) die Frage nach einer künftigen Niederlassung. Mit zunehmendem Alter sinkt die Niederlassungsabsicht.
„Für viele in der ärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung Tätige ist die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis. Dieses Potenzial sollten wir gezielt erschließen – mit weniger Bürokratie, verlässlichen Rahmenbedingungen und gezielter Unterstützung, die zur jeweiligen Lebens- und Karrierephase passt“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Die größten Hürden auf dem Weg in die eigene Praxis sehen die Befragten außerhalb der medizinischen und psychotherapeutischen Tätigkeit. Besonders häufig genannt werden administrativer Aufwand, zeitliche Planung und Organisation, fehlendes betriebswirtschaftliches Vorwissen, Finanzierung, Zulassungsverfahren und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Stillfried warnte vor Kürzungen und unsicheren politischen Rahmenbedingungen: „Greift der Gesetzgeber mit Steuerungsimpulsen im Sinne politisch gewünschter Leistungen ein und ändert die Voraussetzungen dann kurzfristig mit Einbußen für die Praxen, führt dies zu Vertrauensverlust bei den Praxen. Dies kann die Niederlassungsbereitschaft deutlich beeinträchtigen“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende.
Die Befragung zeigt außerdem: Reduzierte vertragliche Arbeitszeiten sind weit verbreitet: 64,4 Prozent haben höchstens 30 Wochenstunden vereinbart, 53,5 Prozent höchstens 20 Stunden. Tatsächlich arbeiten die Befragten im Mittel jedoch rund drei Stunden pro Woche länger als vertraglich vorgesehen.
Zudem üben 35,5 Prozent mindestens eine weitere Erwerbstätigkeit aus: Von ihnen sind 46,7 Prozent zusätzlich in einer Klinik beschäftigt, 18,7 Prozent in der Lehre. „Teilzeitquoten allein bilden den tatsächlichen Arbeitseinsatz daher nur unvollständig ab“, hieß es aus dem Zi.
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