Politik

Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Warken und Schulze loben Versorgung und Industrie

  • Dienstag, 28. Juli 2026
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (2.v.li.) /Beerheide
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (2.v.li.) /Beerheide
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Magdeburg – Es ist der letzte öffentliche Auftritt als Bundesgesundheitsministerin: Nina Warken kommt am Dienstag um halb elf mit ihrem Wagen vor das Medizinische Versorgungszentrum Altstadt-Quartier in Magdeburg vorgefahren.

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) wartet da schon mit den Leitenden Ärzten des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Altstadt-Quartier, einem Vorzeigeprojekt in medizinischer, aber auch historischer Hinsicht: Auf dem Gelände entstand schon 1817 ein Krankenhaus, heute wird hier ambulant operiert, 63 Arztsitze vieler Fachrichtungen sowie ein Pflegeheim und eine Apotheke sind an diesem Ort beheimatet. Spezialisiert hat man sich auf die Gefäßchirurgie.

Schulze freut sich über die Unterstützung im Landtagswahlkampf. Man kenne sich „schon aus der Jungen Union“, mit Warken habe er „seit vielen Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis“ und er zeigte sich überzeugt, dass sie ihre neue Aufgabe im Bundeskanzleramt „exzellent“ machen werde. Besonders die „gute künftige die Zusammenarbeit mit den Ländern“ betonte Schulze.

Jetzt soll es aber zunächst über Themen aus Warken noch aktuellem Amt gehen – in Berlin wird parallel die morgige Amtsübergabe zum neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) vorbereitet. Die Termine in Magdeburg bei dem MVZ und später in Halle beim Pharma-Unternehmen Wacker Biotech sowie beim Technologiepark Weinberg sind seit Monaten vorbereitet worden. Waker Biotech erfüllt einen Teil des Pandemiebereitschaftsvertrages des Bundes, der 2029 allerdings ausläuft.

Werbung für den Standort Sachsen-Anhalt

Schulze will – so sagt er es später in der Apotheke des MVZ – bundes- aber auch europaweit für den Standort Sachsen-Anhalt für Forschung- und Entwicklung in der Pharma- und Chemie-Industrie werben. „Wir wollen führender Player in Europa werden“, 700 Unternehmen seien in dieser Branche schon im Land schon aktiv. Das habe er auch schon vor Wochen mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besprochen, sagt er am Ende rund einstündigen Rundgangs. Warken hört interessiert zu – diese Fragen nach Sicherheitspolitik und Resilienz im Gesundheitswesen werden auch auf ihrem neuen Schreibtisch im Bundeskanzleramt landen.

Gut zu sprechen ist Schulze allerdings nicht auf die Bundespolitik. Gestern war öffentlich bekannt geworden, dass der einzige Politiker aus Sachsen-Anhalt in der Bundesregierung, Tino Sorge, als Staatssekretär im BMG seinen Hut nehmen muss. „Wir haben mit Tino Sorge jemanden in der Bundesregierung verloren, der als parlamentarischer Staatssekretär aktiv war. Ich danke Tino Sorge für seine Arbeit. Die Entscheidung kam für uns überraschend“, sagt Schulze bei einem kurzen Pressestatement, sei aber nun nicht mehr zu ändern. Schulze „schätzte seine Arbeit sehr“ und sehe ihn „weiterhin mit einer wichtigen Funktion in der Politik.“

Warken will sich in Magdeburg zu den Personaldiskussionen in den vergangenen Tagen nicht äußern. „Es ist jetzt eine Zeit im Umbruch, da kann auch Kritik geäußert werden. Aber es ist wichtig, dass wir uns jetzt in der sitzungsfreien Zeit gut auf das vorbereiten, was alles im Herbst auf uns zukommt“, sagte sie ganz zu Beginn in Magdeburg, da war sie gerade aus dem Auto ausgestiegen. Sie wolle sich heute hier aber auf die Fragen der medizinischen Versorgung und der Zusammenarbeit in den Teams fokussieren.

Die vielen Vertreterinnen und Vertreter des MVZ und der Gebäudegesellschaft, die die Räumlichkeiten aufgebaut, erweitert und saniert haben, raunen sich zu, dass Sorge natürlich bei dem Termin auch eingeladen gewesen war – schließlich ist Magdeburg auch sein Wahlkreis, den er bei den Wahlen 2013 und 2017 auch noch direkt gewonnen hat. Bei der Wahl 2021 ging das Direktmandat an die SPD, 2025 an die AfD, Sorge zog jeweils über die Landesliste in den Bundestag ein.

Warken und Schulze werden in die Gebäude geführt, ein Gespräch von etwa 45 Minuten mit Ärztinnen und Ärzten sowie der Geschäftsführerin ist nicht öffentlich, was besprochen wird, bleibt später auch unklar. Später können sich beide noch die vernetzte Struktur des MVZs anschauen, Patientenwege, Zusammenarbeit der Fachgruppen besonders bei der Venen-Chirurgie werden erklärt und eins der neuen Patientenzimmer auf der „Komfortstation“ des neuen Op-Zentrums werden gezeigt.

Zum Schluss geht es noch in die Apotheke: Hier erklärt die Geschäftsführerin, dass hier weder geimpft noch Blut abgenommen werde. „Denn wir haben hier eine starke Allgemeinmedizin im Haus, da wollen wir uns keine Konkurrenz machen.“ Warken nickt – war es doch ein Vorhaben, mit dem sie zuletzt auch die Ärzteschaft sehr aufgebracht hatte. Man wolle die „Primärversorgung als Teamgedanken, mit Apotheken und Ärzten“ fortführen, sagt Warken noch kurz. Alles Themen, die sie ihrem Nachfolger nun übergeben wird.

Für Ministerpräsident Schulze ist die gesundheitliche Versorgung in Sachsen-Anhalt eins der „Top-Themen“ für die Zukunft, man sei da älteste Bundesland mit einem Altersdurchschnitt von 48,3 Jahren. Die MVZ-Struktur, die es in Magdeburg gibt, sei „ein Beispiel, wie ich mir die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt zukünftig vorstelle.“

Es sei nicht nur ein „Zukunftsthema, sondern das machen wir schon heute so“. „Das machen wir in ähnlicher Form an anderen Orten auch, zum Beispiel in Stendal oder Sangerhausen.“ Danach zieht der Tross weiter nach Halle, wo mit der weiteren Entwicklung der Gesundheitswirtschaft das zweite große Thema der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes spielt.

bee

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