Berliner Stadtbezirke fordern Mitsprache bei Bedarfsplanung

Berlin – Der Ärztemangel ist kein Phänomen allein in ländlichen Regionen. Auch Stadtbezirke in Metropolen sind unterversorgt. Das zeigt eine Untersuchung zur ambulanten Ärzteversorgung, die die Berliner Bezirke Lichtenberg und Neukölln zusammen mit dem evangelischen Krankenhaus Elisabeth Herzberge und dem Sana Klinikum Lichtenberg in Auftrag gegeben haben. Erstellt hat die Arbeit das Forschungs- und Beratungsinstitut IGES.
Ausgangspunkt der Studie war der Wunsch, aktuelle und überprüfbare Fakten zur Versorgungslage zu erstellen. Die Bezirke wollen nach eigenen Angaben dadurch eine Diskussion über die mangelhafte Versorgung mit Ärzten anstoßen.
IGES sieht Handlungsbedarf
„In den Bezirken Lichtenberg und Neukölln lassen sich bei Gegenüberstellung der aktuellen ärztlichen Kapazitäten und den gegebenen Bedarfsunterschieden potenzielle Versorgungslücken identifizieren, aus denen sich bereits gegenwärtig Handlungsbedarf ableiten lässt“, so das Fazit der IGES-Autoren. Dies gelte umso mehr für die Zukunft, weil in beiden Bezirken viele Ärzte vor dem Ruhestand stünden.
„Einige identifizierte Regionen innerhalb der beiden Bezirke, die hinsichtlich bedarfs- und versorgungsrelevanter Indikatoren bereits gegenwärtig relativ ungünstige Ausprägungen aufweisen, sollten dabei schwerpunktmäßig in den Fokus genommen werden“, heißt es in der Studie. Die Autoren merken an, es sei aufmerksam zu verfolgen, „inwieweit die gegenwärtig bereits praktizierte Beschränkung des Praxisumzugs zwischen Bezirken auf die Verlagerung hin in unterversorgte Bezirke ausreichend Lenkungswirkung erzielen wird, um die sich abzeichnenden Versorgungslücken beziehungsweise ärztlichen Nachbesetzungspotenziale hinreichend und bedarfsgerecht zu kompensieren“.
Bezirke wollen selbst tätig werden
„Die Bezirke wissen am besten, wo die Ärzte fehlen. Sie werden bisher aber überhaupt nicht beteiligt, wenn es um die Verteilung von Arztsitzen geht. Ich möchte daher direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung sprechen und die Bedarfsplanung mitgestalten“, sagte Katrin Framke, Gesundheitsstadträtin aus Lichtenberg.
Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke legt besonderen Wert auf den größeren Einfluss der Bezirke in der medizinischen Versorgung vor Ort: „Mit einem medizinischen Versorgungszentrum in kommunaler Trägerschaft könnten die Bezirke die medizinische Versorgung besser steuern. Wir sind dann erstmalig in der Lage auf den Bedarf im Bezirk zu reagieren. Ich denke da vor allem an Kinderärzte, die in unserem Neukölln an allen Ecken und Ende fehlen“, betonte er.
Dies ist ein Ansatz, den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin kritisch sieht. „Ein Medizinisches Versorgungszentrum in welcher Trägerschaft auch immer konzentriert natürlich Ärzte an einem Ort, die sich dann nicht im Stadtbezirk oder darüber hinaus verteilen können“, erläuterte eine Sprecherin der KV auf Anfrage des Deutschen Ärzteblatts. Grundsätzlich gelte, dass die Berliner Ärzte ihren Sicherstellungsauftrag erfüllten, hieß es aus der KV.
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