Expertinnen gegen wachsende Kommerzialisierung der Eizellspende

Berlin – Mehrere Expertinnen sehen einen wachsenden globalen Markt für Eizellspenden. Dabei spendeten die meisten Frauen ihre Eizellen aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen und sozialen oder ökonomischen Notlagen, sagte die Berliner Philosophin Susanne Lettow gestern Abend in Berlin bei einem Forum des Deutschen Ethikrates.
Altruistische Fälle seien eine Ausnahme. „Eizellspende ist ein unglaublich euphemistischer Ausdruck, für das, was da passiert.“ In Deutschland sind Eizellspenden durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Deshalb gehen viele Paare zur reproduktionsmedizinischen Behandlung ins Ausland.
Die Spende sei ein „fremdnütziger“ Eingriff in die körperliche Integrität gegen Geldleistung, sagte Lettow. Es stelle sich die Frage, „ob wir diese Art von Transaktionen fördern oder ob wir eine ganz andere politisch ethische Richtung einschlagen wollen“. Die Bremer Kulturwissenschaftlerin Michi Knecht sagte, das Embryonenschutzgesetz sei derzeit die einzige Möglichkeit, dem „rasenden Markt“ etwas entgegenzustellen.
Die Göttinger Medizinethikerin Claudia Wiesemann, Mitglied des Ethikrats, sagte, dass es Gerechtigkeitsprobleme gebe, da sich etwa nur wohlhabende Paare im Ausland eine reproduktionsmedizinische Behandlung leisten könnten. Auch gebe es zu wenig Kontrolle der Situation der Spenderinnen. Diese Probleme seien durch eine Zulassung der Eizellspende in Deutschland zu beheben.
Nach Angaben von Knecht ist die Eizellspende ein zunehmend globales Phänomen. Studien zufolge gab es in der Tschechischen Republik von 2010 bis 2014 rund 20.000 Eizellspenden an internationale Paare vor allem in Europa und den USA. Spanien habe 2016 rund 16.000 Eizellspenden offiziell angemeldet. Dabei herrsche ein enormes Gefälle beim Preis von 700 Euro in der Tschechischen Republik bis zu 30.000 Euro in den USA.
Die Bamberger Familienforscherin Birgit Mayer-Lewis ging davon aus, das inzwischen mehrere tausend deutsche Frauen im Ausland Eizellspenden wahrnähmen. Das geschehe zumeist anonym. Sie forderte eine umfassende Beratung und Begleitung für Betroffene. Für die Empfängerinnen nannte sie als größtes körperliches und psychosoziales Risiko die hohe Zahl an Mehrlingsschwangerschaften sowie die Tatsache, dass nur bei der Hälfte der Kinderwunsch erfüllt werde.
Ein wesentliches Thema war auch das Recht der so entstandenen Kinder auf Kenntnis ihrer Herkunft sowie deren Wunsch, ihre biologische Mutter und mögliche Geschwister kennenzulernen.
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