Politik

GKV-Ausgaben steigen schneller als vom Schätzerkreis angenommen

  • Mittwoch, 10. Juni 2026
/bilderstoeckchen, stock.adobe.com
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Berlin – Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im ersten Quartal des laufenden Jahres stärker angewachsen als angenommen. Nach vorläufigen Zahlen rechnet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) damit, dass das Defizit im kommenden Jahr deutlich höher liegen könnte als bisher prognostiziert.

Vergleichsgröße sind die Annahmen des Schätzerkreises. Man könne bestätigen, dass die vorläufigen Zahlen der Krankenkassen eine deutlich höhere Ausgabendynamik zeigten, als vom Schätzerkreis prognostiziert worden seien, hieß es vom Ministerium auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

„Eine abschließende Bewertung kann aber erst vorgenommen werden, wenn die genauen Zahlen vorliegen und validiert wurden“, sagte ein BMG-Sprecher. Das sei in der Regel Ende Juni/Anfang Juli der Fall. In jedem Fall verdeutlichten die vorläufigen Zahlen aber, „wie ernst die Lage in der GKV ist“.

Genaue Zahlen wollte das Ministerium nicht nennen. Dem Deutschen Ärzteblatt liegt aber ein Papier aus dem BMG vor, aus dem sich die GKV-Finanzierungslücken auf Basis vorläufiger Meldungen der Krankenkassenverbände zum ersten Quartal 2026 ergeben.

Demnach sind die Leistungsausgaben im ersten Quartal 2026 um 8,1 Prozent angewachsen. Der GKV-Schätzerkreis hatte mit einer Zunahme von 6,7 Prozent gerechnet. Da die Nettoverwaltungskosten mit einem Aufwuchs von 0,3 Prozent weniger stark gewachsen sind als von den Schätzern angenommen (+ 2,2 Prozent), ergibt sich eine Gesamtsteigerung von 7,8 Prozent. 6,5 Prozent waren die Vorhersage des Anstiegs durch die Schätzer gewesen.

Die Ausgabendynamik liege im ersten Quartal 2026 „auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr“ und damit „deutlich über dem für das Gesamtjahr erwarteten Ausgabenanstieg“ sowie den „Zuwächsen bei den beitragspflichtigen Einnahmen“. „Die Ausgaben sind damit annähernd doppelt so stark gewachsen wie die beitragspflichtigen Einnahmen“, heißt es in dem BMG-Papier.

Gehe man im weiteren Jahresverlauf von einem Rückgang des Ausgabenanstiegs auf rund 7,5 Prozent aus, lägen die Gesamtausgaben im Jahr 2026 rund 3,5 Milliarden Euro oberhalb der bisherigen Erwartung.

Wie stark die einzelnen Leistungsbereiche im ersten Quartal angewachsen sind, ist unklar. Dazu finden sich im Papier keine Details. Zu den Leistungsausgaben gehören ärztliche Behandlung, Krankenhausversorgung, Arzneimittel, Krankengeld, Fahrkosten, Schutzimpfungen und vieles mehr.

Ein Vergleich mit den Vorjahreszahlen zeigt darüber hinaus, dass der Anstieg in den ersten Quartalen grundsätzlich nicht ungewöhnlich ist. Für die ärztliche Behandlung wurde zwischen Januar und März 2025 ein Plus von 7,0 Prozent angegeben, bei der Krankenhausbehandlung waren es 9,5 Prozent, bei Arznei- und Verbandmitteln 6,1 Prozent und bei den Schutzimpfungen 14,4 Prozent Zuwachs.

Zu den Ausgaben für 2027 heißt es in dem Papier, dass Mehrausgaben des Jahres 2026 „basiswirksam das Ausgabenniveau ab 2027“ belasten würden. „Im Ergebnis muss die prognostizierte Deckungslücke für die Jahre 2027 ff. entsprechend angehoben werden und es sind zusätzliche Entlastungsmaßnahmen zur Stabilisierung des durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitragssatzes bei 2,9 Prozent erforderlich.“

Falls sich die Ausgaben 2026 so entwickelten wie im 1. Quartal 2026, sei davon auszugehen, dass sich der Überschuss, der im Übrigen zur Auflage der Mindestrücklage benötigt werde, im Jahr 2026 deutlich verringern und das geschätzte Defizit 2027 deutlich steigen werde, schätzt Ulrike Elsner, hauptamtliche Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzassen. Unter dieser Prämisse müsse das im Kabinettsentwurf vorgesehenen Einsparvolumen mindestens realisiert – eigentlich aber erhöht werden.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ein Sparpaket – das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgelegt, das Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche, aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern vorsieht.

Die Pläne zielen bisher darauf, die Kassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Dies wäre etwas mehr als das bisher erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro. Wenn sich das Minus nun um 3,5 Milliarden auf 18,8 Milliarden Euro vergrößern würde, bliebe statt des geplanten kleinen Puffers eine neue Lücke von 2,5 Milliarden Euro.

Der Bundestag will sich am Freitag mit dem vom Kabinett auf den Weg gebrachten Sparpaket befassen, das erneute Anhebungen der Zusatzbeiträge verhindern soll. Gegen Einschnitte gibt es schon heftige Proteste aus dem Gesundheitswesen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte als Vorgabe für die Parlamentsberatungen formuliert, dass der Sparpuffer nicht mehr kleiner werden dürfe.

may/bee/dpa

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