Vermischtes

Handhygiene im Krankenhaus: Verhaltens­psychologische Intervention verbessert Compliance nicht bei jedermann

  • Freitag, 20. Januar 2017
Uploaded: 16.01.2017 17:59:35 by gießelmann
Hygienische Händedesinfektion mit einem alkoholbasierten Präparat (HD) gilt als wirksamste und kostengünstigste Maßnahme zur Prävention nosokomialer Infektionen. /Joerg Brinckheger, pixelio.de

Hannover – Der anfängliche Erfolg der „Aktion saubere Hände“ (ASH) hat zumindest an der Medizinschen Hochschule Hannover (MHH) nicht lange angehalten. Vor allem Ärzte werfen die gerade gelernten Maßnahmen zur Vermeidung von nosokomialer Infektionen zeitnah über Bord. Mit einer verhaltenspsychologischen Intervention hoffte man, die Compliance zu verbessern. Das gelang jedoch nur bei Pflegenden, nicht bei Ärzten. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) publizierte randomisierte Studie namens PSYGIENIE (Dtsch Arztebl Int 2017; 114(3): 29-36).

Bereits im Jahr 2013 war die Compliance bezüglich der Handhygiene trotz ASH-Schulung auf das Anfangsniveau zurück­gefallen. 48 % der Ärzte und 56 % der Pflegenden hielten sich an den Gold­standard der Weltgesundheits­orga­nisa­tion. Die maßgeschneiderte psycholo­gische Intervention sorgte zumindest bei den Pflegenden für eine anhaltende Compliance in beiden Folgejahren (2014: 64 %, p < 0,001; 2015: 70 %, p = 0,001). Das Team um Erstautor Thomas von Lengerke schulte die Mit­arbeiter unter anderem mittels selbst­reflexiver Techniken. Als Kontrolle erfolg­ten ASH-Schulungen. Die Kontroll­gruppe, die die übliche ASH-Schulung erhalten hatte, besserte sich zunächst auf 68 % im Jahr 2014, sank aber im Folgejahr auf 64 %. Hingegen zeigten sich die Ärzte resistent gegenüber der psychologischen Intervention. „Für Ärzte sind weitere Studien notwendig, um zielgruppengerechtere Interventionen zu identifizie­ren, die die Compliance verbessern könnten“, schlussfolgert Erstautor Thomas von Lengerke vom Zentrum für öffentliche Gesundheitspflege, Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie an der MHH.

Georg Daeschlein von der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten in Greifswald ordnet den verhaltenspsychologischen Ansatz als Leuchtturmprojekt ein, an dem sich andere Kliniken orientieren könnten. Ihm ist jedoch klar, dass es bis zu einer Routineanwendung noch ein weiter Weg sein wird. Nicht zuletzt aufgrund mangelnder personeller und mate­ri­eller Ressourcen schreibt er im Editorial der aktuellen DÄ-Ausgabe (3/2017).

Die Autoren um den Psychologen von Lengerke haben im Rahmen von PSYGIENIE die Compliance für Händedesinfektion auf zehn Intensivstationen und zwei Stationen für Knochenmarktransplantation der MHH untersuchten. Das gesamte Personal, 1.087 Ärzte und Pflegende, erhielten eine Einladung zur Teilnahme. Von den Ärzten beantwor­te­ten 71 %, vom Pflegepersonal 63 % die Fragebögen. Im Interventionsarm (sechs Statio­nen) wurden 29 Verhaltensänderungstechniken in Schulungen und Feedback­gesprä­chen umgesetzt. Die Rate der Krankenhausinfektionen haben die Autoren nicht erhoben.

gie

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