Handhygiene im Krankenhaus: Verhaltenspsychologische Intervention verbessert Compliance nicht bei jedermann

Hannover – Der anfängliche Erfolg der „Aktion saubere Hände“ (ASH) hat zumindest an der Medizinschen Hochschule Hannover (MHH) nicht lange angehalten. Vor allem Ärzte werfen die gerade gelernten Maßnahmen zur Vermeidung von nosokomialer Infektionen zeitnah über Bord. Mit einer verhaltenspsychologischen Intervention hoffte man, die Compliance zu verbessern. Das gelang jedoch nur bei Pflegenden, nicht bei Ärzten. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) publizierte randomisierte Studie namens PSYGIENIE (Dtsch Arztebl Int 2017; 114(3): 29-36).
Bereits im Jahr 2013 war die Compliance bezüglich der Handhygiene trotz ASH-Schulung auf das Anfangsniveau zurückgefallen. 48 % der Ärzte und 56 % der Pflegenden hielten sich an den Goldstandard der Weltgesundheitsorganisation. Die maßgeschneiderte psychologische Intervention sorgte zumindest bei den Pflegenden für eine anhaltende Compliance in beiden Folgejahren (2014: 64 %, p < 0,001; 2015: 70 %, p = 0,001). Das Team um Erstautor Thomas von Lengerke schulte die Mitarbeiter unter anderem mittels selbstreflexiver Techniken. Als Kontrolle erfolgten ASH-Schulungen. Die Kontrollgruppe, die die übliche ASH-Schulung erhalten hatte, besserte sich zunächst auf 68 % im Jahr 2014, sank aber im Folgejahr auf 64 %. Hingegen zeigten sich die Ärzte resistent gegenüber der psychologischen Intervention. „Für Ärzte sind weitere Studien notwendig, um zielgruppengerechtere Interventionen zu identifizieren, die die Compliance verbessern könnten“, schlussfolgert Erstautor Thomas von Lengerke vom Zentrum für öffentliche Gesundheitspflege, Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie an der MHH.
Georg Daeschlein von der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten in Greifswald ordnet den verhaltenspsychologischen Ansatz als Leuchtturmprojekt ein, an dem sich andere Kliniken orientieren könnten. Ihm ist jedoch klar, dass es bis zu einer Routineanwendung noch ein weiter Weg sein wird. Nicht zuletzt aufgrund mangelnder personeller und materieller Ressourcen schreibt er im Editorial der aktuellen DÄ-Ausgabe (3/2017).
Die Autoren um den Psychologen von Lengerke haben im Rahmen von PSYGIENIE die Compliance für Händedesinfektion auf zehn Intensivstationen und zwei Stationen für Knochenmarktransplantation der MHH untersuchten. Das gesamte Personal, 1.087 Ärzte und Pflegende, erhielten eine Einladung zur Teilnahme. Von den Ärzten beantworteten 71 %, vom Pflegepersonal 63 % die Fragebögen. Im Interventionsarm (sechs Stationen) wurden 29 Verhaltensänderungstechniken in Schulungen und Feedbackgesprächen umgesetzt. Die Rate der Krankenhausinfektionen haben die Autoren nicht erhoben.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: