Sozialschwache erhalten in Modellprojekt kostenfreie Verhütungsmittel

Frankfurt am Main – Pro familia hat an sieben Standorten in Deutschland ein Modellprojekt gestartet, um den niedrigschwelligen Zugang zu Verhütungsmitteln zu erproben.
Ab sofort müssen Frauen mit Anspruch auf Sozialleistungen die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel nicht mehr selbst tragen – auch wenn sie über 20 Jahre alt sind. Voraussetzung ist, dass sie an einem der sieben Projektstandorte Erfurt/Artern, Halle (Saale), Lübeck, Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming), Recklinghausen/Marl/Gladbeck, Saarbrücken, Wilhelmshaven und Landkreis Friesland wohnen.
„Frauen verändern ihr Verhütungsverhalten, wenn das Geld knapp ist“, sagte Projektleiterin Alexandra Ommert. Bei der Entscheidung für eine Methode würden die Kosten zum entscheidenden Kriterium – nicht aber die eigentlich wichtigen Faktoren Sicherheit und Verträglichkeit. „Mit dem Modellprojekt möchte pro familia Frauen zu ihrem Recht verhelfen, Verhütungsmittel selbstbestimmt zu wählen“, so Ommert.
Das Modellprojekt „biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ richtet sich an Empfängerinnen von ALG II, Sozialhilfe, Kinderzuschlag, BAföG, Berufsausbildungsbeihilfe, Wohngeld oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Das Angebot adressiert zudem Frauen, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt.
Um es wahrzunehmen, benötigen sie ein Rezept von ihrem Arzt, das sie zusammen mit einem Leistungsnachweis in der entsprechenden Pro-familia-Beratungsstelle vorlegen müssen. Sie erhalten dann sofort eine Zusage zur Kostenübernahme, mit der sie das Mittel ihrer Wahl kostenfrei in der Apotheke bekommen. Die Apotheke rechnet direkt mit pro familia ab, die Frauen müssen nicht in Vorleistung gehen.
Biko wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und soll zuverlässige Daten für den tatsächlichen Bedarf an einer Kostenübernahme liefern. Langfristig könnte diese Erhebung die Grundlage für eine bundesweite Regelung bilden, hoffen die Projektverantwortlichen.
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