Was die medizinischen Fachgesellschaften von der Politik erwarten
Berlin – Eine enge Zusammenarbeit der Gesundheitspolitik mit der wissenschaftlichen Medizin fordert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Im Mittelpunkt des politischen Handelns müsse immer stehen, die medizinische Versorgung aller Bürger zu verbessern. Die AWMF hat diese Grundsatzforderung in einem Positionspapier zur Bundestagswahl näher erläutert und in fünf Einzelforderungen aufgelöst.
Größte fachliche Kompetenz
Zunächst sei darauf zu achten, dass bei gesundheitspolitischen Entscheidungen stets die Ebene mit der größten fachlichen Kompetenz tätig sei. Dies können je nach Thema der Bund, die Länder, aber auch die Selbstverwaltung sein. Die Fachgesellschaften fordern, dabei mehr und früher als bisher einbezogen zu werden. „In der AMWF sind alle medizinischen Fächer, die meisten interdisziplinären Themenbereiche und neben Ärzten auch viele weitere Gesundheitsberufe vertreten“, erinnern die Autoren des Positionspapieres.
Unabhängige Finanzierung von Leitlinien
Sie wünschen sich zweitens eine unabhängige Finanzierung der Entwicklung und Implementierung von Leitlinien. Diese „fassen das medizinische Wissen auf dem jeweils aktuellen Stand zusammen und liefern damit die Basis für ärztliche Entscheidungen zum Wohl des einzelnen Patienten“, heißt es in dem Positionspapier.
Eingrenzung des Antibiotikaeinsatzes
Dem Infektionsschutz widmet sich die dritte Forderung der AWMF: Der unkritische Einsatz von Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft habe Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen zu einem „Gesundheitsproblem ersten Ranges“ gemacht. „Die Eingrenzung des Antibiotikaeinsatzes zugunsten weniger schädlicher Hygienemaßnahmen und die Entwicklung neuer Antiinfektiva mit staatlicher Förderung sind dringend erforderlich“, verlangen die medizinischen Experten.
Rahmenbedingung für Gesundheitsforschung verbessern
Darüber hinaus wünschen sich die AWMF-Autoren von einer künftigen Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsforschung zu verbessern. „Die Arzneimittel- und die Medizinproduktegesetzgebung haben in den letzten Jahren zunehmend höhere Hürden für die akademische klinische Forschung aufgebaut“, kritisieren die Autoren. Damit drängende Forschungsfragen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung wieder ohne Verzögerung bearbeitet werden könnten, benötige die akademische klinische Forschung erleichterte Rahmenbedingen.
Nachwuchsförderung in der Medizin sicherstellen
Eine weitere Forderung der AWMF – fünftens – zielt auf die Personalentwicklung und Nachwuchsförderung in der Medizin. So sei es wichtig, Karrierepfade für Ärzte und medizinische Wissenschaftler durch ausreichende finanzielle Mittel sicherzustellen. „Weiterhin müssen die Zahl der Studienplätze sowie die Personalschlüssel in der Pflege/dem Hebammenwesen an die steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen angepasst werden“, so die AWMF.
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