Ärzteschaft

Ärzte und Pharmahandel warnen vor neuen Arzneimitteleng­pässen

  • Freitag, 4. August 2023
/S.Kobold, stock.adobe.com
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Osnabrück – Eltern und Kranke müssen sich im Herbst und Winter mögli­cher­weise erneut auf Engpässe bei Arzneimitteln vor allem für Kinder einstellen. Ärzte, Apotheker und Pharmagroßhandels halten weitere Eng­pässe für möglich.

„Es ist zu befürchten, dass bei hohen Infektionswellen wie im vergangenen Jahr Eltern wieder durch die halbe Stadt laufen müssen, um Fiebersäfte oder Antibiotika zu bekommen“, sagte der Präsident des Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Nach einer Infektwelle im vergangenen Herbst waren Engpässe bei Kindermedikamenten wie Fieber- und Hustensäften eskaliert. Probleme hatte es auch bei Krebsmitteln und Antibiotika gegeben.

Die Bundesregierung reagierte mit neuen Regelungen. Das im Juli verabschiedete Gesetz macht Vorräte von mehreren Monatsmengen für vielgenutzte Arzneimittel zur Pflicht. Preisregeln sollen gelockert werden, damit sich Lieferungen nach Deutschland für Hersteller mehr lohnen.

Fischbach sagte, das Gesetz gehe zwar in die richtige Richtung, „wird uns aber definitiv nicht durch diesen Winter helfen und springt womöglich auch auf Dauer zu kurz“. Arzneimittelengpässe legten auch die Praxen teilweise lahm, weil Mitarbeiter am Telefon etliche Apotheken abklappern müssten, um die benötigten Medikamente aufzutreiben. „Wir blicken daher mit Sorge auf Herbst und Winter.“

Nach Angaben des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels sind bei den geplanten Medikamen­tenvorräten keine schnellen Erfolge zu verzeichnen. „Die zum Teil seit vielen Monaten andauernden und wei­terhin bestehenden Lieferengpässe bei Kinderarzneimitteln erschweren die gesetzlich vorgeschriebene Be­vorratung durch den pharmazeutischen Großhandel erheblich“, sagte ein Verbandssprecher.

Nach Einschätzung der Apotheken ist es derzeit noch schwer, Voraussagen zur Versorgungslage im Herbst und Winter zu treffen. „Wir bezweifeln aber, dass das Lieferengpassgesetz zu systematischen und spürbaren Ver­besserungen führen wird“, sagte die Präsidentin ihres Verbands, ABDA, Gabriele Regina Overwiening.

Overwiening lobte etwa, dass mit dem Gesetz die Apotheken beim Austausch von nicht verfügbaren Arznei­mitteln mehr Flexibilität bekämen. „Diese Maßnahmen helfen, die negativen Auswirkungen des Mangels ab­zumildern, beseitigen den Mangel aber nicht.“ Angesichts der sinkenden Zahl von Apotheken forderte sie die Politik auf, in die Apotheken zu investieren.

Fischbach sagte, auch mit der Reform sei es nicht attraktiv genug für die Pharmafirmen, Medikamente in Deutschland zu produzieren und zu verkaufen. „Das sind Wirtschaftsunternehmen, die im Ausland mehr verdienen.“

dpa

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