Politik

GKV-Finanzloch: Krankenhäuser sehen Probleme auf Einnahmenseite

  • Freitag, 3. Juli 2026
/picture alliance, Christophe Gateau
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Berlin – Angesichts der geplanten Milliardeneinsparungen im Gesundheitswesen will sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gegen die vorgesehenen Kürzungen im Klinikbereich wehren. Sie betrachtet sich nicht als Hauptkostenverursacher und legte dazu heute eine Analyse vor. Der GKV-Spitzenverband reagierte prompt mit eigenen Zahlen.

Der Entwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes sieht deutliche Einsparungen unter anderem in den Bereichen Krankenhaus, ärztliche Versorgung und der Pharmaindustrie vor. Ende kommender Woche will der Bundestag das Gesetz beschließen, einige Änderungen innerhalb des Gesetzestextes werden allerdings noch erwartet.

Insbesondere weil das GKV-Finanzdefizit größer ist als erwartet, muss noch mehr eingespart werden. Darüber haben sich gestern auch Bund und Länder ausgetauscht, bei dem Treffen ging es vor allem um die Einsparungen im Krankenhausbereich.

Der Krankenhaussektor ist der größte Ausgabenblock in der GKV. Ein Drittel der Gesamtausgaben in der GKV wurde 2025 für Krankenhausbehandlungen aufgewendet (etwa 33 Prozent). Den nächstgrößeren Anteil bilden die Kosten für Arzneimittel (rund 17 Prozent), gefolgt von ärztlichen Behandlungen (16 Prozent). Insgesamt lagen die GKV-Ausgaben im vergangenen Jahr bei rund 336 Milliarden Euro.

Dass die Krankenhäuser aber „Hauptverursacher der Finanzprobleme“ der GKV seien, sei schlichtweg falsch, erklärte heute die DKG. Eine Sonderauswertung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zufolge zeige, dass sich die Krankenhausausgaben seit Jahren unterdurchschnittlich entwickeln würden. Die eigentlichen Ursachen der Finanzprobleme lägen hingegen auf der Einnahmeseite. Zur Einordnung: Trägerin des DKI ist unter anderem die DKG.

Die DKI-Analyse zeige, dass die Krankenhausausgaben seit dem Jahr 2000 inflationsbereinigt um rund 54 Prozent gestiegen seien, während die gesamten GKV-Leistungsausgaben im gleichen Zeitraum um 63 Prozent zunahmen. Im Jahr 2000 lag der Anteil der Krankenhäuser an den GKV-Leistungsausgaben zudem bei 35 Prozent und damit leicht über den aktuellen 33 Prozent.

Kostentreiber Pflegebudget – aber politisch gewollt

Berücksichtige man den vergangenen Fünf-Jahres-Zeitraum, seien die Ausgaben im stationären Bereich zwar nominal um knapp 37 Prozent gestiegen. Dies sei vor allem mit der Einführung des Pflegebudgets 2020 zu erklären. „Ohne diesen Effekt hätte das Ausgabenwachstum rund 29 Prozent betragen und damit unter dem Anstieg der gesamten GKV-Leistungsausgaben von 35 Prozent gelegen“, rechnete das DKI weiter.

„Das Pflegebudget ist keine Kostenexplosion, sondern die politische Entscheidung, die Pflege am Bett vollständig zu finanzieren“, bewertete der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß, die Entwicklung. Dies als Beleg für ausufernde Krankenhauskosten darzustellen, sei sachlich falsch, ergänzte er.

Auf der Einnahmenseite sei pro GKV-Mitglied seit 2000 nur ein reales Wachstum von fünf Prozent zu verzeichnen, so die DKI weiter. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sei im gleichen Zeitraum hingegen um rund 25 Prozent gestiegen. „Seit 2019 stagnieren sowohl die Wirtschaftskraft als auch die Finanzierungsbasis der GKV nahezu.“

Schlechtere Entwicklung als im europäischen Durchschnitt

Wenn man in einem theoretischen Szenario davon ausginge, dass die deutsche Wirtschaft im gleichen Maße wie der Durchschnitt der Europäischen Union (EU) gewachsen wäre, hätte die GKV rund 42 Milliarden Euro zusätzliche Beitragseinnahmen erzielt, erklärte das DKI weiter.

Verschärft würden die Finanzierungsprobleme in der GKV dadurch, dass der Bund seit Jahren die versicherungsfremden Leistungen – etwa die GKV-Beiträge für Grundsicherungsempfänger – nicht übernehme. Einer Studie des IGES-Instituts von Ende 2025 zufolge müssten knapp 22 Milliarden Euro aus Steuermitteln finanziert werden, wofür derzeit die Versicherten der GKV und deren Arbeitgeber aufkommen.

Weiter habe der Bund den Bundeszuschuss seit 2017 nicht erhöht, erklärte das DKI. Jährlich liegt dieser bei 14,5 Milliarden Euro. Für 2027 soll der Zuschuss dem Entwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes zufolge sogar um zwei Milliarden Euro gekürzt werden.

„Die DKI-Auswertung zeigt eindeutig, dass die Finanzprobleme der GKV in erster Linie auf der Einnahmeseite entstehen“, schlussfolgerte Gaß.

Gleichzeitig übertrage der Bund der GKV seit Jahren gesamtgesellschaftliche Aufgaben, ohne sie vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren. „Wer diese strukturellen Defizite ignoriert und stattdessen Milliarden bei den Krankenhäusern kürzt, verschärft die Versorgungskrise“, so Gaß weiter.

Die DKG forderte die Bundesregierung deshalb auf, die Einnahmebasis der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig zu stärken, versicherungsfremde Leistungen vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren und die geplanten Kürzungen bei den Krankenhäusern im parlamentarischen Verfahren zurückzunehmen.

Überdurchschnittlicher Ausgabenanstieg bei Kliniken

Der GKV-Spitzenverband reagierte auf die vorgelegte Analyse und verwies auf die amtliche Statistik der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese verdeutliche die jährlichen Ausgabensteigerungen der Kliniken in einer neutralen Weise und zeige, dass der Ausgabeanstieg bei den Kliniken stets über dem allgemeinen Anstieg der Leistungsausgaben der GKV gelegen habe, erklärte der GKV-Spitzenverband heute.

„Da rund jeder dritte Euro, den die Beitragszahlenden an die Krankenkassen überweisen, für die Krankenhäuser ausgegeben wird, fallen die überproportionalen Ausgabensteigerungen besonders ins Gewicht“, heißt es weiter.

So sei der jährliche Ausgabenanstieg der Krankenhäuser in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. 2023 habe er bei 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen. Der Durchschnitt aller Leistungsbereiche lag bei 4,4 Prozent. Zuletzt habe die Ausgabensteigerung bei 9,4 Prozent (erstes Quartal 2026) betragen, während sich der Durchschnitt aller Leistungsbereiche bei 8,1 Prozent befanden hätte.

Zudem verwies der GKV-Spitzenverband darauf, dass die Krankenhäuser in der Coronazeit zusätzlich einen zweistelligen Milliardenbetrag vom Bund aus Steuermitteln und in den vergangenen Jahren erneut weitere Finanzspritzen erhalten haben.

Dazu gehören unter anderem sechs Milliarden Euro Energiehilfen in den Jahren 2023 bis 2024 sowie vier Milliarden Soforttransformationsmittel, die per Rechnungszuschlag seit November 2025 an die Kliniken fließen.

Zudem soll es mit dem Krankenhaustransformationsfonds ab 2026 fünf Milliarden Euro jährlich für den Umbau der Krankenhauslandschaft geben, die aus Mitteln von Bund und Ländern finanziert werden (insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro bis 2035).

cmk

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