Medizinstudium in Polen: Brandenburg sucht weiter nach Lösung für Approbationsproblem

Potsdam/Stettin – Brandenburg sucht für das Problem der fehlenden Zulassung junger Mediziner nach dem Studium in Polen weiterhin nach einer verlässlichen Lösung – auch für künftige Absolventen.
„Wir bemühen uns, den Ärztemangel oder den Mangel an Fachkräften zu beheben, aber trotzdem unsere Qualifikationen hier aufrechtzuerhalten“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) heute im Landtag in Potsdam. An der Suche nach weiteren Lösungen sei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beteiligt. „Er steht auch weiter in Kontakt mit dem polnischen Ministerium.“
Polen hatte im vergangenen Jahr die Anforderungen an eine automatische Anerkennung der Berufsqualifikation zum Arzt auf Grundlage eines Medizinstudiums in Polen erhöht. Dabei geht es um Grundkenntnisse im Bereich Medizinrecht und -ethik vor allem bezogen auf Polen (LEK) und um eine Ausbildung ähnlich dem ehemaligen Arzt im Praktikum (Staz). Polen will dies nicht ändern und hält an den zwei Zusätze fest.
Mehrere junge Deutsche hatten ihr Studium an der Pommerschen Medizinischen Universität (PUM) in Stettin beendet – kurz zuvor begannen aber die gestiegenen Anforderungen. Sie bekommen in Brandenburg deshalb derzeit keine Approbation. Das Problem besteht auch in mehreren anderen Bundesländern.
Der Landtag in Brandenburg forderte die rot-schwarz-grüne Landesregierung heute dazu auf, dass mit dem Bund und Polen alternative Ansätze geprüft werden sollten. Dazu zähle etwa eine Ausnahmeregelung, wie sie Österreich und Frankreich mit der EU-Kommission vereinbart hätten. Wer das Land nach abgeschlossenem Studium verlasse, könne anderswo in der EU eine automatische Anerkennung bekommen.
In Österreich und Frankreich erhielten die Absolventen die Approbation aber erst nach abgeschlossener Weiterbildung. Auch Linke und Freie Wähler stimmten für den Antrag von SPD, CDU und Grünen, die AfD enthielt sich. Der Idee hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) allerdings bereits eine Absage erteilt.
Seit 22 Jahren gibt es dem Antrag zufolge an der PUM einen englischsprachigen Medizinstudiengang für Studenten aus dem Ausland. Der Asklepios-Konzern – speziell das Klinikum Uckermark – arbeitet seit 2013 mit der Uni zusammen, um deutsche Ärzte für seine Kliniken ausbilden zu lassen.
Im vergangenen Jahr bekam die zuständige Zulassungsbehörde in Brandenburg zwei Anträge auf Approbation von Absolventen aus Stettin, die aber nun unvollständig waren. Der AfD-Abgeordnete Volker Nothing kritisierte: „Warum ist das bei uns denn nicht möglich?“ Er betonte: „Wir haben Ärztemangel.“
Die Linksfraktion wies darauf hin, dass das Problem weitere Kliniken betreffe. Dazu gehöre etwa die kommunale Gesellschaft für Leben und Gesundheit, die unter anderem Krankenhäuser in Eberswalde, Prenzlau und Angermünde betreibe, sagte der Linke-Abgeordnete Ronny Kretschmer.
Sie gehe aber sehr pragmatisch vor. Den Absolventen wurde ein entlohntes Praktikum ermöglicht. Sie könnten nach der Bundesärzteordnung eine Berufserlaubnis bekommen für eine Tätigkeit, die zum Abschluss einer ärztlichen Ausbildung erforderlich sei.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Nonnemacher sagte, das Land habe dem Asklepios-Konzern 2019 vorgeschlagen, eine Erlaubnis zum Beenden der ausländischen Ausbildung auf Grundlage der Bundesärzteordnung unter Arztaufsicht zu erhalten.
Damit hätten die Absolventen eine praktische Ausbildung absolvieren und diese vom polnischen Gesundheitsministerium anerkennen lassen können. „Das ist uns zugesichert worden“, sagte Nonnemacher.
Sie hätten dann nach einer mündlichen Abschlussprüfung („LEK“) auch in Englisch eine Approbation bekommen können. Eine Medizinerin sei den Weg gegangen, aber nicht in einer Asklepios-Klinik. Die Ministerin sagte, sie wolle sich über die Modalitäten der Prüfung in Englisch erkundigen.
Wie der Tagesspiegel berichtet, haben drei der betroffenen Mediziner in Brandenburg ihren Antrag auf Approbation aus Protest zurückgezogen.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: