Vierte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis, alle Optionen auf dem Tisch

Berlin – Die vierte Tarifrunde für die rund 60.000 Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern ist gestern Abend ohne ein Ergebnis zu Ende gegangen. Die zweitägigen Gespräche zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) brachten keine Fortschritte. Neue Gespräche wurden nicht vereinbart. Ein Tarifkampf ist nicht mehr ausgeschlossen.
In dieser Woche wird die Kleine Tarifkommission des Marburger Bundes den Verlauf der vierten Verhandlungsrunde bewerten. Für den 5. März ist dann eine Sitzung der Großen Tarifkommission der Ärztegewerkschaft anberaumt, auf der abschließende Entscheidungen zum weiteren Vorgehen getroffen werden sollen.
Streiks seien das letzte Mittel, sagte MB-Sprecher Hans-Jörg Freese dem Deutschen Ärzteblatt. Sie seien aber nicht ausgeschlossen. „Es liegen jetzt alle Optionen auf dem Tisch. Wir sind eine Gewerkschaft“, sagte er. Freese wies aber auch darauf hin, dass man weiter gesprächsbereit sei. Allerdings hätten die Arbeitgeber kein neues Angebot vorgelegt. Der Sprecher betonte zugleich, dass bis zum 5. März alle Gesprächskanäle offen blieben.
Das hatte auch MB-Verhandlungsführer Christian Twardy betont. Er hatte gestern nach den Gesprächen erklärt, dass die Mitglieder substanzielle Verbesserungen ihrer Arbeitssituation erwarteten. „Die Grenzen der Belastung mit Bereitschafts- und Rufdiensten müssen endlich gewahrt werden. Dienstpläne dürfen nicht regelhaft kurzfristig umgeworfen werden“, mahnte er.
Die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern erwarteten Planungssicherheit und verbindliche Zusagen im Hinblick auf die Belastung durch Dienste außerhalb der Regelarbeitszeit. Das sei zuletzt auch durch die jüngste Umfrage unter Mitgliedern des MB in kommunalen Krankenhäusern deutlich geworden.
Rund 91 Prozent der Krankenhausärzte fühlen sich demnach durch ihre Arbeit regelmäßig erschöpft. Ein Fünftel plant daher „definitiv“ eine berufliche Zukunft außerhalb der Klinik. Etwa 56,5 Prozent sind noch unentschieden und 23,5 Prozent planen keinen konkreten Tätigkeitswechsel.
Die Coronapandemie hat der Umfrage zufolge zu einer deutlichen Arbeitszunahme bei Ärzten in kommunalen Kliniken geführt: 71 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Arbeitsbelastung durch die Pandemie zugenommen hat, bei etwa einem Fünftel (22 Prozent) ist sie gleichgeblieben.
„Die Kolleginnen und Kollegen in den kommunalen Kliniken wollen, dass ihrer Arbeit mehr Wertschätzung entgegengebracht wird“, sagte Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes. Die Ärzte hätten vor und während der Pandemie den Betrieb am Laufen gehalten – trotz aller Widrigkeiten und personeller Engpässe. „Dafür erwarten sie eine ihren Leistungen angemessene Gehaltserhöhung, die auch die gegenwärtigen Preissteigerungen kompensiert.“
Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sah gestern „erste Annäherungen“. Wolfgang Heyl, Verhandlungsführer der VKA und Vorsitzender des Gruppenausschusses der VKA für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, nannte das erneute Scheitern der Gespräche „sehr bedauerlich“. Er betonte, man habe aber „Lösungsansätze“ erörtert, wie man „insbesondere bei den Bereitschaftsdiensten vorankommen könne.
An beiden Verhandlungstagen habe man „wiederholt und intensiv über die Themen Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaft gesprochen“. Essenziell sei bei allen denkbaren Modellen für die VKA, dass die erforderliche Flexibilität auch für kleine Häuser und Abteilungen bestehen bleibe. „Wir wollen eine Lösung für diesen Tarifkonflikt. Allerdings müssen in der nächsten Verhandlungsrunde noch viele Dinge geklärt werden“, so Heyl.
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